Über fünf Jahre bemühten sich die Naturschutzverbände der Stadt und die Betreuer des Naturschutzgebietes "Weschnitzinsel von Lorsch" im Bunde mit der Stadtverwaltung, um die Genehmigung zur Vernässung von Teilen der Weschnitzinsel, in Sonderheit, Flutung der dortigen Altmäander. Jene, sich erkennbar durch die Wiesenflur ziehenden Strömungsniederungen mit bis zu einem knappen Meter Tiefe, resultieren möglicherweise aus früheren Dammbrüchen der Weschnitz. Sie hoben sich seither nicht nur durch ihre besondere Bodenstruktur von den übrigen Wiesen ab, auch ihre Pflanzengesellschaften mit Seggen, Beinwell und Riedgras bewirkten deutliche Konturen in der Wiesenflora. Was die Altmäander für den Narturschutz so wervoll machte, war die Tatsache, dass sie sich bei entsprechenden Niederschlägen und Hochwasser der beiden Weschnitzen recht schnell mit deren Druckwasser füllten und dann ein Eldorado, insbesondere für ziehende und wandernde Vögel darstellten. Freilich kamen sie auch dem Grossbrachvogel und dem Kiebitz bei der Aufzucht ihres Nachwuchses zugute, denn im lockeren und feuchten Boden konnten nicht nur die beiden Arten nach Nahrung stochern.
Verbesserung der Trittsteinfunktion
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Mit dem Ansinnen der Vogelschützer, die Altmäander der Weschnitzinsel zumindest solange dauerhaft zu fluten, wie die Alte Weschnitz für diesen Zweck genügend Wasser bietet, wollte man insbesondere der Trittsteinfunktion der Weschnitzinsel eine größere Bedeutung beimessen.
Nachdem im Zuge der Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Gebiet "Viehweide" Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen erforderlich wurden, beschloß die Stadtverordnetenversammlung die Beantragung und Realisierung der Vernässung von Teilen des NSG-Weschnitzinsel als eine der Ausgleichsmaßnahmen für das geplante Baugebiet. |
Damit hoffte man, die normalerweise grosse Zeitspanne bis zur Verwirklichung des Vorhabens zu verkürzen. Nach vorheriger Abstimmung mit den Fachbehörden beantragte die Stadtverwaltung am 10. Dezember 1999, beim Regierungaspräsidium Darmstadt, eine Befreiung von den Naturschutzauflagen aus der Verordnung für das Gebiet der Weschnitzinsel von Lorsch, sowie die Erteilung einer wasserrechtlichen Genehmigung. Trotzdem dauerte das Verfahren, wie eingangs erwähnt, nahezu fünf Jahre. Mehrere Sitzungen waren notwendig, nicht nur, um die entsprechenden Regularien, Bedenken und Einwände zu besprechen und zu diskutieren, sondern auch, um das Gelände in denen die Altmäander liegen, mit dem Fiskus zu tauschen, um eine dauerhafte Benutzung zu gewährleisten. Über ein Jahr kontrollierte schließlich die HLfU ( Hessische Landesanstalt für Umwelt) das Wasser der Alten Weschnitz auf seine Eignung zur Flutung, bevor am 24.09.2001 dem Antrag der Stadt Lorsch, zur Wasserentnahme aus der Alten Weschnitz, zur Flutung der Altmäander stattgegeben wurde, so, dass die Firma Roeder, bekannt für derartige Öko-Baumassnahmen, im Herbst diesen Jahres das Auslaufbauwerk realisieren konnte. Die Baumaßnahme besteht aus einer Entnahmestelle in der Alten Weschnitz mit Überfallkante. Diese ist so hoch gelegen, dass immer ein für den Fischbestand der Weschnitz ausreichender Wasserstand gehalten werden kann. Ein Jahr ist nun seitens des Regierungspräsidiums vorgesehen, um Erfahrungen auf den verschiedensten Gebieten zu sammeln. Die Unterhaltung und Steuerung der Anlage obliegt dem Gewässerverband, dessen Leiter, Dipl.Ing. Bernd Dewald sich bereit erklärte, dabei in enger Zusammenarbeit mit den Gebietsbetreuern, deren Anliegen und Vorschläge zu berücksichtigen.
Vom kleinen Bergpieper über die Bekassine bis zum Kranich
Nach den ersten drei Wochen der Flutung der Altmäander über das neue regulierbare Auslaufbauwerk verzeichneten die Gebietsbetreuer bereits hervorragende Vogelbeobachtungen. Die ersten Pfützen lockten nicht nur viele Stockenten, Fischreiher und zurückgebliebene Weissstörche an; man beobachtete auch den seltenen Bergpieper in mehreren Exemplaren, sowie Knäkenten und Krickenten. Dass immer wieder Bekassinen zu beobachten sind, erfüllt die Vogelfreunde mit besonderer Freude. Schließlich ist die Bekassine seit über fünfzig Jahren als Brutvogel der Weschnitzinsel verschwunden. Ihr wiederholtes Erscheinen im Naturschutzgebiet indessen, läßt zumindest auf eine stete Präsenz hoffen. Erstaunen und Freude auch, über das nächtliche Verweilen von ungefähr 70 Kranichen, in der Nacht vom 31.Oktober auf den 1. November, in den gefluteten Altmäandern auf ihrem Weg nach Süden. Bereits Nächte zuvor hätten Kraniche in stattlicher Anzahl die Altmäander aufgesucht, wie man den Betreuern des Gebietes mitteilte. Erfahrungsgemäss weiß man, dass die Vögel zur Nachtruhe vornehmlich Flachwässer aufsuchen, in denen sie, geschützt vor Fressfeinden, wie Fuchs und Marder, die Nacht verbringen, um am folgenden Tag in gewohnter Keilformation ihre Reise fortzusetzen. Mit mehr Feuchte auf der Weschnitzinsel hoffen die Naturschützer auf weitere seltene Zugvogelarten.
Text und Bild: Hans Ludwig, Lorsch
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