"Welsches" wie es in Lorsch heißt, ist für Nicht-Lorscher ein unbekannter Begriff, in unserer Stadt aber eine Spezialität. Das aus Welschkorn gewonnene Mehl ist allerdings zum Alleinverbrauch zu schwer und kann nur mit einer entsprechenden Mischung von Weizenmehl verwendet werden. Das aus dieser Mischung hergestellte Kuchenbrot hat sich als "Lorscher Gebäck" einen guten Namen gemacht. Während es früher in jedem Privathaushalt gebacken wurde, haben in den letzten Jahrzehnten die örtlichen Bäcker diese Tradition übernommen.
Wenn es herbstet beginnt in Lorsch die Welschbrotzeit. Dann duftet es in den Backstuben, aber auch noch in manchen Küchen, nach dem schmackhaften Maisbrot. Herbstzeit ist in Lorsch auch Kerbezeit, deshalb ist "Welsches" auch das Kerbebrot.
Die Lorscher Kerb wurde übrigens bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts im November gefeiert. Nicht zuletzt deshalb, weil zum Jahresende die Erntearbeiten, insbesondere auch der Tabakbauern beendet waren und nach erfolgreicher Ernte Geld in Taschen der Landwirte gelangte. Über den Tabakbau lässt sich auch eine Verbindung zum Welschbrot herstellen. Ende des 17. Jahrhunderts wird der Tabakanbau zum ersten Mal in Lorsch erwähnt. Wie der Tabak kam auch der Mais über die Spanier aus Amerika zu uns. Für das gemeinsame Auftreten von Tabak und Mais in der Region spricht ebenso ein Dokument aus dem Jahre 1718, in dem von Tabak und Welschkornzehnt die Rede ist.