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Das älteste der Lorscher Gasthäuser, das 'Weiße Kreuz', ist vom Kloster auf klösterlichem Grund vielleicht schon vor 1000 erbaut worden. Das 'Weiße Kreuz' des frühen Mittelalters stand genau an der Stelle des jetzigen; es stieß gegen Norden an des Klosters "Ledigenplatz" vor dem Klostertor, im Süden an das älteste Lorscher Pfarrhaus, vorn an den Marktplatz und hinten an die Klostermauer. Im Wirtshausschild führt es noch heute das alte Besitzzeichen des Klosters, ein Kreuz, wie es noch im 17./18. Jahrhundert auf den das Klosterfeld umschließenden Grenzsteinen zu sehen war. Durch viele Jahrhunderte blieb das 'Weiße Kreuz' (wie durch das Kreuz im Schilde angedeutet) unmittelbarer Besitz des Klosters. Quellen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bezeichnen das Gebäude abwechselnd als des Klosters Herberge und als das Schänkhaus des Propstes. Beide Bezeichnungen umreißen die Bedeutung der Gaststätte. Der vordringlichste Zweck des 'Weißen Kreuzes' war, Herberge für die zum Kloster kommenden Pilger, Fuhrleute, Boten, Klostergutspächter und Kaufleute zu sein. Zugleich war es die gegebene Schankstätte für den Klosterwein, der als Zehnt- oder Teilwein aus den Klosterbesitzungen in Rheinhessen und an der Bergstraße alljährlich nach Lorsch geliefert werden musste. Noch im 16. Jahrhundert gehörte ein Drittel der in der Herberge anfallenden Getränkesteuer, des sog. Ungelds, dem Kloster. Urkundlich erwähnt wird das 'Weiße Kreuz' erst im Jahre 1563. 1567 zieht Steffan Weigel aus Grünberg (Hessen) als neuer Schankwirt ein. Es ist die Zeit, da schon der weltliche Propst Carpentarius im Kloster waltet. 1590 veräußert Kurpfalz die Klosterherberge in der gemilderten Form eines Erbkaufs für 300 fl. an Jakob Becker. Während des ganzen 17. Jahrhunderts dient es nicht mehr als Gaststätte: 1632 steht es unbewohnt, 1642/43 dient es als Pfarrhaus, um 1650 als Wohnhaus für die Klostergutpächter. 1666 wohnt ein Bibliser Jude darin, 1680 scheint es wieder leerzustehen. Endlich veräußert es 1696 der Erzbischof für 255 fl. an den ehemaligen Seemeister Georg Heuble. Damit scheidet das 'Weiße Kreuz' endgültig aus dem Klosterbesitz aus. Heuble betreibt in dem alten Haus wieder eine Gastwirtschaft. Seine Erben scheinen es in 'Rotes Kreuz' umgetauft zu haben. 1748 wird das Haus zum Roten und Weißen Kreuz genannt. Besitzer ist damals Nikolaus Hainz, der Erbauer des jetzigen 'Weißen Kreuzes'. Er teilt dem Ortsgericht 1759 mit, dass er sich entschlossen habe, das alte Haus abzureißen und ein neues an seine Stelle zu setzen. Er bat deshalb die Gemeinde, die erforderlichen drei Schuh vom Marktplatz gegen eine entsprechende Entschädigung abzutreten. Die Gemeinde wurde mit der Rathausglocke zusammengerufen. Obwohl sich einige gegen den Antrag des Kreuzwirts wehrten, "indeme dadurch die gaß verschändet, der Marktplatz versperrt werde und andere Häuser aus dem Gesichte kämen", wurde sein Antrag genehmigt. 1760 ist das neue 'Weiße Kreuz' schon fertig, denn Mitglieder des Kurmainzischen Jagdgefolges werden dort einquartiert. 1791 wird der Wert des 'Weißen Kreuzes' auf 2000 fl. angegeben, 1796 auf 4000 fl. Die Wertsteigerung erklärt sich zum Teil aus baulichen Veränderungen, die Philipp Hainz, ein Nachkomme des Erbauers Nikolaus Hainz, hatte vornehmen lassen. Danach ist das heutige 'Weiße Kreuz', abgesehen von dem jungen Blendsteinanbau, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden: Es ist ein stattlicher, schlichter Fachwerkbau, mit der Breitseite gegen den Markt gelagert. Es gehört mit Kloster, Rathaus und Kirche zu den schönsten und ehrwürdigsten Bauten des Dorfs." Soweit die Aussagen aus der von Magdalena Fecher "Die Namen der Gemarkung Lorsch, eine Dissertation", erstellt im Jahre 1942 in Gießen. Noch heute ist das Gasthaus 'Weißes Kreuz' ein sehr markantes und ansehnliches Gebäude, das mit dem alten Rathaus und den anderen Fachwerkbauten dem Marktplatz das Gepräge gibt. Bliebe noch zu erwähnen, dass mit dem 'Riesen' in Miltenberg und dem Gasthaus 'Zum Bären' in Freiburg, weitere namhafte Gasthäuser um den Titel 'Ältestes Gasthaus Deutschlands' werben. |
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