Fachwerkhäuser in LorschDas Lorscher HausEine Untersuchung am Beispiel des Hauses |
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Es ist nicht möglich, das Wohnhaus des Lorscher Bürgers, Handwerkers oder Bauern als ein Gebilde zu schildern, das seine Form der hohen mittelalterlichen Bedeutung des Ortes verdankt und dadurch befähigt war, auf die nähere und weitere Umgebung auszustrahlen. Aus mittelalterlicher Zeit ist in Lorsch kein Profangebäude mehr erhalten. Vermutlich ist daran das Schicksal schuld, dem Ort und Kloster gleichermaßen unterworfen waren. Wie spärlich ist doch das von der eigentlichen Klosteranlage auf uns überkommene Bauwerk, obwohl es aus Stein bestehend eher als das Holzgefüge des bäuerlichen und bürgerlichen Fachwerks den Feuersbrünsten standhalten konnte. Auf Merians Stich haben alle Gebäude steile Satteldächer. Soweit Giebelfachwerke eingezeichnetsind, ist die Firstmitte durch einen Ständer betont, der in fast allen Fällen bis unter die Firstspitze reicht. Man kannte damals aber auch bereits die "Mann"-Verstrebung an den Eck- und Bundstielen. In einer Giebelwand sehen wir ein mächtiges, wandhohes Schrägkreuz. Schornsteine haben nur die Klostergebäude und das der östlichen Klostermauer vorgesetzte und wohl zum Kloster noch gehörende Haus. Die auf Merians Stich dargestellten Häuser und Scheunen können, wenn sie hohe Firstständer zeigen, noch mittelalterlich sein und vor die bayrisch-pfälzische Fehde von 1504 zurückgehen, in der nach Bensheim auch Lorsch geplündert und teilweise zerstört worden war. Da aber die gesamte Klosteranlage durch die Spanier unter Cordoba 1621 niedergebrannt wurde, Merian aber sie unzerstört darstellt, zeigt sein Ortsbild den unversehrten Zustand vor dem Dreißigjährigen Krieg. Groß müssen die Zerstörungen dieses Krieges, des Feldzuges unter Turennes 1673/74 und des spanisch-pfälzischen Erbfolgekrieges 1689/93 gewesen sein. Oberschauen wir den heutigen Lorscher Häuserbestand, finden wir kein Profangebäude, das mit Sicherheit vor diese Kriege zurückreicht. Fast alle alten Bürger- und Bauernhäuser in Fachwerk sind erst um oder bald nach 1700 errichtet worden. Im gleichen Jahrzehnt etwa entstanden das Rathaus (1715), die Apotheke (1717), das "Weiße Kreuz" und die anderen Fachwerkhäuser am Marktplatz. |
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Etwas jünger sind die noch erhaltenen Fachwerkhäuser in der Bahnhofstraße, etwas älter die in der Kirch- und Schulstraße. Das älteste Fachwerkhaus dürfte in der Stiftstraße 19 stehen. Es könnte schon vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges erbaut worden sein. Diese an sich späten Bauten erlauben uns keinen sicheren Rückschluß mehr auf Fachwerkgefüge, Gerüstform und innere Raumteilung des mittel alterlichen und frühneuzeitlichen Lorscher Hauses, das nach Merian früher zu den Firstständerbauten gehört haben muß, wie es einige wenige Altbauten aus den benachbarten Städten Heppenheim und Bensheim ebenfalls beweisen. In Lorsch ist es auch schwer, die uns überkommenen Altbauten als Bauern- oder Bürgerhäuser anzusprechen. Sicher hat das Kloster noch auf den profanen Hausbau nachgewirkt, als es selbst bereits nicht mehr bestanden hat. In unmittelbarer Klosternähe war kein Raum für weithäufige bäuerliche Hofanlagen. Bereits 1067 erhielt Abt Udalrich vom Kaiser Heinrich IV. für die Ortschaft Lorsch das Markt- und Münzrecht (C. L. 1. 129), wie es sonst nur bedeutende Städte hatten. Nach dem Jurisdictionalbucb von 1668 hatte Lorsch damals auch einen Jahrmarkt. Deshalb wird sich das Lorscher Haus kaum vom Kleinbürgerhaus der umliegenden Städte Heppenheim und Bensheim unterschieden haben. Um das Lorscher Althaus kennen zu lernen, wird im folgenden das vermutlich älteste, vielleicht noch vor den Dreißigjährigen Krieg zurückreichende Fachwerkhaus in der Stiftstraße 19 beschrieben. Der Schmiedemeister Philipp Wagner erwarb 1939 das Haus von den Erben des Wagnermeisters Heinrich Böhm. In dessen Familie soll es schon mehrere Generationen lang gewesen sein. Beim Besitzwechsel 1939 wurde das an das kleine Wohnhaus anschließende Werkstattgebäude, weil es in sehr schlechtem Bauzustand war, abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Das erhalten gebliebene kleine Wohnhaus steht nicht in der Straßenflucht und verrät schon dadurch, daß es älter als die Anlage der Stiftstraße ist. Der kurvrechteckige Grundriß hat im Oberstock das Maßverhältnis Breite : Länge = 600 : 800 = 3 : 4. Das Fachwerk des Südgiebels und der Osttraufe ist im Oberstock sehr reich aber so verwittert, daß die Erhaltung des Hauses kaum oder nur mit sehr hohen Kosten noch möglich ist. Rähm des Unterstockes, Schwelle des Oberstockes, Balkenköpfe und Füllhölzer bilden ein umlaufendes, 56 cm hohes, aus einer dichtenFolge von flachen Wulsten und Hohlkehlen bestehendes, sehr fein profiliertes Holzband.
Die beiden Giebelhälften des Oberstockes sind gleichwertig, unter sich aber unregelmäßig gegliedert. Durch unsymmetrisches Einstellen eines Zwi schenstieles wird jede Wandhälfte in einen breiten, ein Fenster tragenden, und in einen schmalen fen sterlosen Abschnitt geteilt. Die sehr reich gebildeten Brüstungsfelder folgen dieser Gliederung. Am Wandgefüge überraschen uns - weil in dieser Landschaft ungewöhnlich - der Zierschnitt der Balkenköpfe, die gut eingearbeiteten, ebenfalls profilierten Füllhölzer und im Oberstock des Südgiebels der Beginn der Fußstreben erst auf dem Brustriegel. Deshalb ist die Verstrebungskraft der kurzen Fußstreben nur gering. Strebenpaar und Kopfknaggen bilden überm Brustriegel Rauten von dekorativ besonderem Reiz. Das obere Giebeldreieck und die Oberstockswand der östlichen Traufenseite sind durch "Mann"-Figuren gegliedert. In letzterer stehen außer den beiden Eckstielen noch drei als Mannfiguren ausgebildete Stiele. Nur einer von ihnen ist wirklich ein Bundstiel. Die beiden anderen fassen eine Fenstergruppe ein und konnten deshalb nur hälftig, als "halbe Männer", gebildet werden. Das Fachwerk des Unterstockes - unterm Verputz schwach erkennbar - und das des Oberstockes der westlichen Traufenseite ist schlicht und klar. Statt der aufwendigen Mannfiguren sind den Eck- und Bundstielen wandhohe, von der Schwelle unmittelbar ins Rähm reichende Streben beigesellt. Aus dem Fachwerk der beiden Traufenseiten wissen wir, daß jedes Stockwerk von einer Querwand in zwei Querraumstreifen, auch Zonen genannt, aufgeteilt ist a. Der vordere Querraumstreifen reicht über sieben, der hintere über sechs Balkenfelder. Der hintere nimmt den Flur; die Feuerstelle der Küche und die Stockwerkstreppe auf. Durch den vorderen laufen im Unterstock zwei Längsunterzüge. Ein liegender Binder hält den Dachaufbau innerlich ganz frei. Er steht sechs Balkenfelder vom vorderen und fünf vom hinteren Giebel entfernt, also fast in der Gebäudemitte. Erst in jüngster Zeit wurde die hintere Haushälfte unterkellert. Die Kellerdecke besteht aus Betonkappen zwischen Stahlrrägern. Will man bei einem Gebäude die nicht mehr bekannte alte Zweckbestimmung und das Baualter zurückgewinnen, muß man versuchen, den formalen Stand des Aui3enwandgefüges mit dem konstruktiven des Innengerüstes in Einklang zu bringen. Nur so erhalten wir die alte innere Raumteilung. Schon im Unterstock stoßen wir auf Unstimmigkeiten. Zwar folgt die Querscheidung dem Außenwand- und Innengefüge und liegt wegen der ungeraden Zahl der Deckenbalkenfelder um nur ein halbes Balkenfeld außermittig. Die Längs-Scheidung aber benutzt den Mittelstiel in der südlichen Giebelwand nicht, obwohl ihm beiderseits wandhohe Streben beigegeben sind und er so als Bundstiel erscheint. Zwei Längsunterzüge schaf-fen in der vorderen Hälfte des Unterstocks eine Dreischiffigkeit. Heute wird er von einer Längs-wand in zwei ungleich große Räume aufgeteilt. Die Wand aber bindet in keinen konstruktiven Außenwandstiel ein und verrät dadurch ihre jüngere Entstehung. Früher war die vordere Hälfte des Unterstocks, wenn man beide Längsunterzüge statisch ausnützt, einräumig. Im Oberstock sind derartige Unstimmigkeiten nicht festzustellen, vorausgesetzt, daß die heutige Innenteilung die ursprüngliche ist. Wir erwähnten bereits die ungewöhnliche Fachwerksteilung der südlichen Giebelwand. Zwar ist sie durch Einstellen eines Mittelstieles wie im Unterstock in zwei Hälften geteilt, der Mittelstiel aber wird auch im Oberstock nicht konstruktiv benutzt als Auflager eines Mittellängsunterzuges. Nur ganz äußerlich klingt hier das alte vorausgegangene Firstständergerüst noch nach. Durch unsymmetrisches Einstellen je eines Zwischenstieles ist im Oberstock jede Giebelwandhälfte nochmals in Wandabschnitte verschiedener Länge geteilt. Nennen wir den größeren Wandabschnitt a und den kleineren b, dann folgen im Oberstock der Giebelwand von links nach rechts: a -b -a -b. Nur e i n Längsunterzug durchläuft den Oberstock im westlichen Hausdrittel. Unter ihm steht noch heute eine ausgefachte Wand. Sie scheidet aus dem vorderen Teil eine westliche Kammer von einem fast genau quadratischen östlichen Gemach. Das Giebelwandgefüge ist somit das Abbild der inneren Raumteilung. In unserer Landschaft ungewöhnlich an ihm ist, daß es nicht in konstruktive und nur füllende Stiele unterscheidet, sondern jedem Stiel Fußstreben beigibt, die aber erst auf dem Brustriegel ansetzen. Wie sehr das obere östliche Gemach der bevorzugte Raum des Hauses war, zeigt die hofseitige Fachwerkwand, die im zugehörigen Wandabschnitt eine beiderseits von "halben Männern" eingefaßte Fenstergruppe enthält. Ob wir aus ihren Brüstungsfiguren auf den Beruf des ursprünglichen Hausbesitzers schließen dürfen ist fraglich. Das von einem Schrägkreuz durchschnittene Rad kann auf einen Müller oder Wagner deuten. Eine Mühle früher an der Stelle des Hauses ist kaum anzunehmen. Es bleibt der Wagner. Der lokalen, Geschichtsforschung ist es überlassen, festzustellen, seit wann das Wagnerhandwerk, das bis 1939 in dem Haus ausgeübt wurde, darin traditionell ist. Radförmige Brüstungsfiguren hat auch das Lorscher Haus in der Kirchstraße 18 über dem Kehlgebälk des Ostgiebels. Wir dürfen annehmen, daß das hier beschriebene Haus in der Stiftstraße 19 im Unterstock, der nach der Straße zu einräumig war, wesentlich gewerblich, im Oberstock zum Wohnen benutzt wurde. Dem Wohnen dienten bereits drei Räume: in der hinteren Stockwerkshälfte die Küche ohne Abtrennung des Flures und der Stockwerkstreppe; in der vorderen das große, fast quadratische Wohngemach und die davon abgeteilte kleine Schlafkammer. Aus der Untersuchung anderer Bürgerhäuser des südhessischen Gebietes wissen wir, daß die Abtrennung der Schlafkammer kurz vor der Mitte des 16. Jahrhunderts aufkam. Bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges war diese Wohnform allgemein verbreitet. Beim Fachwerkhaus wird sie äußerlich dadurch erkennbar, daß das Giebelwandgefüge des Oberstockes unsymmetrisch aufgeteilt ist, wie es die Lorscher Häuser. in der Kirchstraße 2 und 18, in der Bahnhofstraße 30, 40, 38, 41 und 48, in der Stiftstraße 28 und die Apotheke, früher Marktplatz 2, jetzt Nibelungenstraße, zeigen. Symmetrische Giebelteilung hat das ehemalige alte Schulhaus in der Schulstraße, weil hier eine solche innere Raumteilung nicht erforderlich war. Wollen wir die Erbauungszeit des hier untersuchten Hauses weiter einengen, müssen wir, da keinerlei Bauinschriften vorhanden sind, auf handwerkliche und dekorative Details eingehen. Da die Schwellen: und Rähmkränze des Gebäudes bereits alle auf Gehrung gestoßen sind und das Dachinnere durch einen liegenden Stuhl freigehalten ist, wird das Haus nach 1580 errichtet worden sein. Das Giebelwandgefüge verzichtet auf Stichgebälke, obwohl sie bereits im 16. Jahrhundert allgemein bekannt waren. Aus diesem Sich-Begnügen dürfen wir aber nicht auf eine Entstehung noch im 16. Jahrhundert schließen, denn die Giebelwandbalken sind sehr reich profiliert, wie dies erst seit der deutschen Renaissance aufkam. Sie bilden zwar noch eine dichte Aufeinanderfolge von Wulsten und Hohlkehlen, doch, sind die Einzelglieder flach und gegeneinander kaum noch abgetreppt, so daß der Oberstand innerhalb des aus Rähm, Balkenkopf mit Füllholz und aus Schwelle bestehenden Holzbandes höchstens 10 cm beträgt. Lorscher Häuser mit Stichgebälken in den Giebelwänden haben keine Balkenköpfe mit zugeschnittenen Enden und dazwischen liegenden profilierten Füllhölzern. Ihre Balkenköpfe sind an der vorstehenden Unterkante abgerundet und bilden mit den ebenfalls abgerundeten Füllhölzern ein einheitliches Band. Gebäude dieser Art stammen wohl alle aus dem 18. Jahrhundert, Beispiele in Lorsch dafür sind u. a. Bahnhofstraße 40 von vermutlich 1743. und Bahnhofstraße 48. Im 17. Jahrhundert verzichten, wie bereits erwähnt wurde, die Lorscher Giebelwandgefüge auf Stichgebälke und profilieren dafür den Giebelwandbalken und die ihm aufgelegte Stockwerksschwelle reich. An der Art der Profilierung lassen sich Altersstufen erkennen, ohne daß wir sie zeitlich bereits fest umreißen können. Sind Wulste und Hohlkehlen durch Hinterschneidungen klar voneinander getrennt, ist das Gebilde älter und gehört allgemein noch dem 17. Jahrhundert an; laufen Wulst und Hohlkehle ineinander über, ist es jünger. Außer dem hier besonders behandelten Haus in der Stiftstraße 19 hat noch das Lorscher Fachwerkhaus in der Schulstraße 1 an der Traufenseite überstehende, an den Kopfenden mit Hohlkehle und Wulst versehene Balkenköpfe, zwischen die, etwas zurücktretend, reich profilierte Füllhölzer eingeschaltet sind. Das ist so außergewöhnlich im südhessischen Ried, daß wir hier näher darauf eingehen müssen. Ubersehen wir in diesem Gebiet den Bestand an Fachwerkhäusern, so kennen wir z. Zt. nur ein Haus in Eschollbrücken, Hintergasse 13 von 1678, das diese Eigenart aufweist. Im Odenwald haben die uns bekannten Schlangenhäuser zugeschnittene Balkenköpfe mit dazwischen geschalteten profilierten Füllbrettern. Der gesamte Gesimsüberstand beträgt bei ihnen nur noch 8 cm. Diese Häuser sind teilweise durch eingeschnittene Inschrift datiert. Das älteste steht in Schlierbach bei Lindenfels neben dem "Römischen Kaiser" und stammt von 1766; die jüngsten wurden kurz vor 1800 erbaut. Sie gehören oder gehörten fast alle zum Schlierbacher Kirchspiel. Der gleiche Zimmermann wird sie errichtet haben. Das Motiv der Hausschlange ist im Thüringischen zu findens; das aus geschnitzten Balkenköpfen, Füllbrettern, feinprofilierten Rähmen und Schwellen bestehende, gesimsbildende Holzband, das in Südhessen so selten angetroffen wird, tritt nördlich des Mains beim weiteren Voranschreiten nach Norden und Osten immer häufiger auf. Jenseits der Wasserscheiden des Vogelsberges ist kaum ein Bürgerhaus seit Anfang des 16. Jahrhunderts ohne diesen Reichtum zu denken. Das Vorkommen an den beiden Lorscher Häusern in der Stiftstraße 19 und Schulstraße 1 kann daher auf Einfluß aus Nordosten und zwar während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts deuten. Dieser mögliche Einfluß erfährt eine weitere Begründung, wenn man an die Giebelwandbildung des Oberstocks von Stiftstraße 19 denkt. Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß die Sicherung der konstruktiven Wandstiele hier nicht durch wandhohe Fußstreben oder in der Art der Mann-Figur erfolgt, sondern daß die Fußstreben erst vom Brustriegel an beginnen. Diese Art ist im Thüringischen bekannt, meist in noch ausgeprägterer Form, wenn der Wandteil über dem Brustriegel nochmals um wenige Zentimeter vorkragt. Dann zerfällt die Stockwerkswand in zwei Wandhälften, in eine untere, mit Brüstungsfiguren angefüllte und in eine obere, etwas vorkragende, mit den Verstrebungsfiguren. Die Beobachtung des alten Lorscher Hausbestandes wirft eine weitere, bisher noch nicht sicher beantwortete Frage auf, die nach der ursprünglichen "Zonigkeit". Wohl seit Walbe hat sich nicht nur das Wort, sondern auch die Vorstellung vom "landesüblichen, dreizonigen Grundriß" ausgebreitet. Man versteht darunter die Querteilung des Hausgrundrisses durch zwei Querwände. Sie erzeugen drei Querraumstreifen oder drei Zonen. Nach Walbe ist ein Haus dann vollkommen, wenn es dreizonig ist. Es folgen in ihm von vom nach hinten die Wohn-, die Küchen- und die Kammer-oder Stallzone. Dies stimmt aber keineswegs in der von Walbe ausgesprochenen Verallgemeinerung. In Lorsch sind die älteren unter den Fachwerkhäusern durchweg zweizonig: Stiftstraße 19, Apotheke von 1717, Schulstraße 1, Kirchstraße 2, BahnhofstraBe 48, 30 und 41. Die jüngeren aber sind meist dreizonig. Sie wurden in einer Zeit gebaut, die erhöhte Ansprüche an das Wohnen und Wirtschaften im Haus stellte. Es würde hier zu weit führen, daraus die nun möglichen Schlußfolgerungen zu ziehen. Eines aber wird jedem Leser offenbar geworden sein: Je emster man ein Problem angeht, - hier ist es das Lorscher Haus, ein an sich doch totes Ding! Um so reicher, vielgestaltiger, ja lebensvoller wird es. Nur selten läßt es sich isolieren, denn immer mehr Fäden durchkreuzen es und machen es zu einem Abbild des Lebens überhaupt. Fassen wir unsere Beobachtungen zusammen, s sind wir überrascht von all dem, was wir an dem alten, kleinen, jetzt vom völligen Verfall bedrohten Gebäude in der Stiftstraße 19 und seinen Nachfolgern erkannt haben. Es wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, vielleicht noch vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges erbaut. Im Unterstock wurde gewirtschaftet, im Oberstock gewohnt. Die Schlafkammer war damals bereits allgemein ausgeschieden. Reichtum und soziale Stellung des Besitzers zeigen sich noch nicht im größeren Baukörper mit mehr Räumen, sondern allein in der besseren handwerklichen und künstlerischen Qualität. Die Klosterverwaltung benötigte Beamte und Handwerker, anscheinend mehr, als sie der Ort und die Umgebung zur Verfügung stellten. Wir spüren Zuzug aus Nordosten, vermutlich aus dem Erfurter Raum. Dadurch gelangten aber nicht fremde Baukörper mit anderen Gefügen nach Lorsch. Nur die feineren, dekorativen Details änderten sich. Auf sie hat der Mensch früher mehr geachtet, als dies heute der Fall ist. Deshalb schien dem, der im 17. und 18. Jahrhundert Lorsch besuchte, der Ort eine besondere, eigene Atmosphäre zu haben, die der Verwaltung der ehemaligen. Klostergüter entströmte und den Ort, seine Häuser und Bewohner aus den Orten der Umgebung heraushob. Das gilt im abgeschwächten Maße bis heute. Text: Heinrich Winter (verstorben) | ||






