Verschwisterungsfeier mit Lorsch und Le Coteau in Zwevegem
der „Zapfenstreich“ (flämisch „Taptoe“) das sechste internationale Musikfestival im Gemeindepark, ausgerichtet von der Zwevegemer Showband „Calypso“, die ihr 25jähriges Bestehen musikalisch feierte. Showbands aus Deutschland („The Devils“ aus Witzenhausen), der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, alle in Fantasieuniformen, zeigten mit ihren Blechblasinstrumenten, Trommeln und Fahnen schwingenden jungen Damen, dass man auch Melodien der Beatles und klassische Musik mit großen Bands (30 und mehr Personen) spielen kann. Im neuen Industriegebiet „Den Escher“ besichtigten die Delegationen eine Fleisch verarbeitende Fabrik, ein Verkaufsgeschäft für Kunststoffprodukte (hauptsächlich für den Einzelhandel) und den neuen „Bibus“ der Gemeinde Zwevegem. Mit dem modern ausgestatteten Bibliotheksbus, er kostete 450.000 Euro, die zum Teil gesponsert wurden, werden zu festen Zeiten an verschiedenen Orten, auch in den vier Teilgemeinden und vor Schulen, kostenlos Bücher (3000 sind im Bestand), Magazine, DVDs, Reiseführer oder auch Landkarten ausgeliehen. Zusätzlich gibt es Informationen zu den Aktivitäten in der Gemeinde. Die junge Studentin Charlotte Vanpetteghem übersetzte alle Informationen ins Deutsche. Dieses Industriegebiet wurde, so erklärte man den Parlamentariern, von einer Projektgesellschaft einheitlich entwickelt. Die Delegationen besichtigten ein altes Pumpgebäude am Kanal nach Kortrijk, das von zwei Gemeinden in ein touristisches Zentrum umgewandelt worden war. Einige Gäste und Gastgeber fuhren von hier aus, trotz Regens, mit dem Fahrrad
zur Brauerei Liefmans. Dort wurde nicht nur die Brauerei besichtigt, es gab auch genügend Bier zum Probieren. Zahlreiche Deutsche hatten diesen Samstagnachmittag aber genutzt, das Viertelfinalspiel Deutschland-Argentinien zu schauen. Per Handy informierten sie die Brauereibesucher aber immer über den neuesten Spielstand. Besucht wurde ebenfalls eine Bilder und Skulpturenausstellung des „Willemsfonds“ (eine kulturelle Vereinigung) im Theaterfoyer. Auch ein Besuch der Messfeier stand am Sonntag auf dem Programm und in der Otegemstraat, der Hauptstraße, wurde Kirmes gefeiert und ein riesengroßes Flohmarktangebot lockte die Schnäppchenjäger. Ob Barbecue oder einfache Brotzeit, auch für Essen und Trinken war immer gesorgt. Den Abschluss bildete ein „Tanz-Büfett“ im Tanzsaal „Transfo“, einer ehemaligen riesengroßen Transformatorenstation, einer Industriebrache, die die Gemeinde Zwevegem für viele Millionen Euro saniert. Für Abwechslung war an den drei Besuchstagen ebenso gesorgt wie für die Auffrischung alter Freundschaften. Immerhin besteht die Verschwisterung von Lorsch und Zwevegem bereits seit 1973. Beim Abschied am Montagmorgen floss dann auch wieder so manche Träne. Die Kommunalpolitiker versprachen aber, sich spätestens in zwei Jahren wieder zu treffen. Dann ist das französische Le Coteau der Treffpunkt für die Jumelage.
Teilgemeinden wurden bereits im 10. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Seit 1977 gibt es die Großgemeinde Zwevegem durch die Zusammenlegung mit den Teilgemeinden Heestert, Moen, Otegem und Sint Denijs. Die Gemeinde hat fast 24.000 Einwohner, liegt an einem Autobahnanschluss und an dem schiffbaren Kanal Bossuit-Kortrijk, der Leie und Schelde miteinander verbindet. Diese Wasserstraße ist ein wichtiger Verkehrsweg für die Industrie und Teil des Erholungsgebietes rund um Zwevegem. Mehr als 6000 Arbeitsplätze werden statistisch verzeichnet. Viele kleine und große rote Backsteingebäude prägen das Bild dieser eher ländlichen Gemeinde. Dabei ist Zwevegem geprägt von alten Industriegebäuden (Stahlkonzern Bekaert) aber auch neue Firmen (Metallverarbeitung, Textil- und Tabakindustrie) geben Zeugnis von dem Bemühen der Verwaltung, Arbeitsplätze zu schaffen. Größere landwirtschaftliche Flächen gibt es vor allem in Otegem und Sint Denijs. Das Rathaus ist in einem ehemaligen Herrenhaus untergebracht, inmitten einer Parkanlage. Weil es aus allen Nähten platzt, wurde ein altes Industriegebäude gekauft und zurzeit hergerichtet. Viele alte Gebäude wie die „Steinerne Mühle“, die „Mortiers Mühle“, das Industrieprojekt „Trafo Zwevegem“, das Wohnen, Kunst, Kultur, Tourismus und Vereine beherbergt, und in das die Gemeinde viele Millionen steckt, um es zu renovieren, und zahlreiche alte Kirchen zeugen von der langjährigen Geschichte. Heute verzeichnet die Statistik 328 Kilometer öffentliche Straßen, Wege und Plätze, 80 Hektar Grünanlagen und öffentliche Gebäude im Wert von rund 33 Millionen Euro. Geleitet wird Zwevegem von Bürgermeister Claude Vanwelden, dem 220 Beschäftigte unterstehen. In Bezug auf die Steuereinnahmen nimmt die Partnergemeinde Platz vier ein in Südwest-Flandern. Reichhaltige Sportangebote wie ein olympisches Schwimmbad und ein Schießsportanlage, eine Leichtathletikanlage, Tennis, Turnhallen, Möglichkeiten zum Reiten, Wandern, Kanu fahren, zu Judo, Turnen, Rad fahren bieten den Bürgern viel Abwechslung. Dazu wird in Kultur investiert (öffentliche Bibliothek, Bibus, Malerei, Skulpturen, Künstler- und Musikfestivals, um nur einige zu nennen). Es gibt Museen, Theaterangebote, Jugendzentren und ein Altersheim. Das alles kostet viele Millionen und die Kommunalpolitiker bemühen sich, mit den Steuereinnahmen auszukommen. Die Stadt Lorsch pflegt seit 1973 partnerschaftliche Kontakte woraus bereits langjährige Freundschaften zwischen Familien entstanden sind. Die Lorscher Feuerwehr hat ein sehr gutes Verhältnis mit der Brandweer von Zwevegem, ebenso der Schützenverein mit der „Shuttersvereinigung St. Barnabas“ und der Gesangverein Liederkranz mit dem Kirchenchor von Sint Denijs. Wünschenswert wäre der Aufbau weiterer Kontakte zum Beispiel mit Sportvereinen oder der Schüleraustausch, hieß es bei der jüngsten Verschwisterungsfeier seitens der Bürgermeister von Zwevegem, Lorsch und der französischen Partnerstadt Le Coteau.
bewältigen und den Angriff auf die gemeinsame Währung des Euro abzuwenden. Dies zeige einmal mehr, wie notwendig es sei, dass die Politiker an der Spitze Europas besser zusammenarbeiten müssten. Es gehe aber auch nicht ohne die kommunalpolitische Zusammenarbeit an der Basis, brachte er es auf den Punkt. Hier müsse noch mehr getan werden. Als Verbesserungsvorschlag regte er an, dass alle drei verschwisterten Gemeinden zwei Mal pro Jahr Artikel und Fotos über ihre Städte den Partnergemeinden zur Veröffentlichung schickten. Le Coteau biete darüber hinaus ab dem kommenden Jahr auch einigen Studenten an, in der französischen Stadt zu arbeiten. Gedacht sei an einen Studenten der Landwirtschaft, der beim „grünen Dienst“ beschäftigt werden könne, einen Sportstudenten, der im „Wassersportclub“ aktiv sein könne und einen Literaturstudenten für die „Mediothek“. Lorschs Bürgermeister Klaus Jäger, der seine letzte Rede als Stadtoberhaupt bei einer Partnerschaftsfeier hielt, betonte, dass es zur Festigung der freundschaftlichen Bande notwendig sei, den Schüleraustausch mit Zwevegem so zu beleben, wie dies mit Le Coteau bereits der Fall sei. Hier würden die Familien mit eingebunden und die jungen Leute könnten so ein Land und seine Gepflogenheiten besser kennen lernen wie ein Tourist. Auch die Freundschaften mit Sport- und Kulturvereinen sollten gefestigt und ausgebaut werden. Der Gemeinde Zwevegem dankte er nicht nur für die Gastfreundschaft und das Verständnis, das sie den Deutschen entgegengebracht habe wegen der Fußballweltmeisterschaft, er zollte ihr auch Lob wegen der positiven Entwicklung in den vergangenen Jahren. Die städtischen Gremien und die Bürgerinnen und Bürger könnten auf das Erreichte stolz sein. Claude Vanwelden, Bürgermeister von Zwevegem, der erstmals als Gemeindechef eine Verschwisterungsfeier ausgerichtet habe, wie er sagte, hob ebenfalls die Entwicklung der Stadt hervor. Er betonte aber auch, dass die Partnergemeinden immer voneinander lernen könnten, dass der Blick über den Rand des Kirchturms besonders für Gemeindeverwaltungen wichtig sei. Sein Lob galt allerdings auch den Gründungsvätern dieser Partnerschaft. Es sei eine gute Initiative gewesen, die den europäischen Gedanken gestärkt habe. Er freue sich, dass mit Herman Van Rompuy ein Belgier zum „europäischen Präsidenten“ gewählt worden sei. Belgier seien Personen der Versöhnung und des Kompromisses. Herman Van Rompuy werde seinen Auftrag sicher mit Bravour erledigen. Claude Vanwelden freute sich aber auch, dass nach der Kommunalwahl jetzt einige junge Gesichter im Gemeindeparlament zu finden seien, die die jahrzehntelange Verschwisterung weiter fortsetzen würden. Der Bürgermeister bedankte sich für die Gastgeschenke von Lorsch (eine Sitzbank) und von Le Coteau (eine Straßenlaterne) und überreichte seinen Kollegen je einen Geschenkkorb mit regionalen Produkten. Die Lorscher hatten ihren Gastgebern einen Bierkrug mit dem Motiv der Königshalle überreicht. Beim Abschiedsabend blies Werner Groß nicht nur auf seinem Jagdhorn zum Aufbruch, auch die Geschwister Barbara Häusler und Lilo Gremm brachten mit ihren gefühlvoll vorgetragenen Liedern „Lorsch ist meine Heimat“ und „Ein schöner Tag ward uns geschenkt“ die Verbundenheit mit den Partnerstädten zum Ausdruck.