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Lorscher Johannisfest ein Festival der Musik

Drei Tage und vier Nächte Stimmung im Zelt und auf dem Festplatz

Bis ins 17 Jahrhundert reicht die Geschichte des Lorscher Johannisfestes zurück. Zu allen Zeiten wurde es auf besondere Weise gefeiert. Seit 50 Jahren konzentriert sich das Geschehen in der Klosterstadt aber auf den Bereich Festplatz und drum herum. Die Bild von der SchiffschaukelIG Lorscher Kulturfeste sorgt dabei immer wieder für Abwechslung. Da wehte nicht nur der Duft frisch gebrannter Mandeln über den Festplatz, da lockten auch Schieß- und Losbuden, Fischbrötchen, Crepes, Lebkuchenherzen sowie Kaffee und Kuchen die Besucher an. Ein Kinderkarussell mit bunten Fahrzeugen, ein Kettenkarussell, eine Schiffschaukel, ein Autoscooter, eine Geisterbahn, eine Achterbahn und ein Taumler namens „Breakdance“ sorgten für Abwechslung bei Jung und Alt. Schon seit Jahren Tradition ist auch ein Kunsthandwerkermarkt mit einem reichhaltigen Angebot vom Hobbykünstlern und Profis. Wer sich aber das Programm genau betrachtet, der stellt fest, dass diese Veranstaltung hinter der Klostermauer auch ein Festival der Musik ist. Das begann am Freitagabend im vollbesetzten Festzelt, bewirtet von Hermann Helmling mit der Band „Amokoma“, die Tanzmusik und Medleys bekannten Popsongs spielten. Am Samstagabend brachten die „Euro-Stars“ mit ihrem Show-Programm die Besucher in Stimmung, der Musikzug Laurissa hatte seinen Auftritt und die „Original Blütenwegjazzern“ erfreuten ihr Publikum mit bekannten Dixielandmelodien. Am Sonntag, nach gewonnenem Fußballspiel lockte die Gruppe „Funk-Fever“ mit Covermelodien bekannter internationaler Künstler ins Festzelt. Am Montag war zum musikalischen Frühschoppen geladen und abends haute „Bayern-Power“ auf die Pauke, machte „Dicke-Backen-Musik“. Das Fest klang traditionell aus mit einem brillanten Höhenfeuerwerk, ein nicht wegzudenkender Teil des Johannisfestes. Auch dieses Feuerwerk klingt in manchen Ohren wie Musik. Ohne private Sponsoren, mit Steuergeldern alleine, wäre das nicht zu schaffen, hatte Bürgermeister Klaus Jäger erklärt. Das sonnige Wetter bescherte den Lorschern wieder die optimalen Voraussetzungen für ein gelungenes Fest.


„Euro Stars“ – Botschafter der guten Laune
Lorscher Musikband heizte dem Publikum im Johannisfestzelt kräftig ein


Wer wissen will, wie man gute Laune und echte Stimmung erzeugt, der sollte zu einer Veranstaltung mit der Musik-Band „Euro Stars“ gehen. Die gibt es seit nunmehr 25 Jahren und sie feierte dieses Jubiläum im Zelt zur Eröffnung des Lorscher Johannisfestes mit einer großartigen musikalischen Show. Schon beim ersten Song „Jambalaja“ stand das Publikum wie ein Mann und klatschte mit. Ob „An der schönen blauen Donau“, bei „Liebeskummer lohnt sich nicht my Darling“ oder dem bekannten Conny-Francis-Song „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“, die Tanzfläche füllte sich immer wieder. Fünf Stunden musikalischeBild von den Eurostars Unterhaltung, mit einer Reminiszenz an die Musik der 50er-Jahre, an die Beatles oder Manhattan Transfer, bis hin zur Mitternachts-Show, das war Schwerarbeit für die Musiker. Die Band trat an diesem Abend aber nicht nur in der Normalbesetzung auf, sie hatte mit dem Trompeter und Sänger Michael Leibfried (Granada, La Montanara), der Sängerin Beate Mangler (What you say, Que sera), dem Schlagzeuger Stefan Straub (Pata Pata) und Joachim Krutsch (Bongos) auch Gründungsmitglieder und Special Guests auf der Bühne. Der Saal kochte bei Gloria Gaynors „I will survive“. Bei „Baby don’t hurt me“ sang das Publikum minutenlang den Refrain mit und bei “Heya heya heya ho“ wurden eifrig die Taschentücher geschwenkt. Es war ein gelungener Festabend, den der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr mit einigen schmissigen Weisen eröffnet hatte. Bürgermeister Klaus Jäger, der seine letzte Rede als Bürgermeister beim Johannisfest halte, wie er betonte, begrüßte das Publikum im voll besetzten Zelt. Er stellte Lorsch als prosperierende Kleinstadt vor, die sich um Kultur kümmere. Dazu zählte er auch das Johannisfest, dessen Spuren sich bis ins 17 Jahrhundert zurückverfolgen ließen. Heute wäre dieses Fest alleine mit Steuergeldern nicht zu stemmen, bedankte er sich bei den Verantwortlichen der IG Lorscher Kulturfeste und den Sponsoren, die ein solches Ereignis möglich machten. Mit zwei kräftigen Schlägen mit einem Holzhammer auf den Zapfhahn eines 50-Liter-Fasses mit Freibier eröffnete er denn offiziell das Johannisfest. Bandleader Jean Diehl begrüßte ebenfalls die Gäste und erklärte, dass die Idee zu dieser Musikgruppe im Oktober 1984 in einer Pizzeria in Wiesbaden entstanden sei. Den ersten Auftritt habe sie als „Euro Star Sextett“ bei einer Modenschau in Wiesbaden gehabt. Gründungsmitglieder waren Bild vom Bieranstich mit Bürgermeister Klaus JägerJean Diehl, Siggis Groß, Dieter Kordes (alle drei sind heute noch aktiv), Stefan Straub, Michael Leibfried, Stefan Müller-Ruppert (seine Grüße wurden digital per Video aus dem Ausland eingespielt) und Sheila Rest (bürgerlich Beate Mangler). Heute mit dabei sind Barbara Arnold (Sängerin), Hans Jürgen Götz (Drums), Rainer Nöth (Trompete), Matthias Köhler (Saxophon) und Viola Engelbrecht (Posaune). Bürgermeister Klaus Jäger stellte die Band in einer kurzen Ansprache vor. Sie sei zu einer der beliebtesten Gala-Bands Deutschlands aufgestiegen und habe sich bestimmt nicht träumen lassen, einmal das silberne Jubiläum zu feiern. Mehr als 100 Auftritte pro Jahr, mit Spielorten wie München, Hamburg, Berlin, Toronto, Monte Carlo und Paris, um nur einige Beispiele zu nennen, belegten ihren Erfolg. Ihr größtes Erlebnis sie sicher der Auftritt in Berlin gewesen beim Fall der Mauer. (Sie haben 1991 auch das Hessentagslied für Lorsch komponiert und getextet). Sie hätten unter anderem mit Showgrößen gespielt wie Howard Carpendale, Marlene Charell, Bill Ramsey, den Kessler Zwillingen und Michael Holm. Als kleines Dankeschön, weil sie auch Lorsch nie vergessen hätten, überreichte er den Musikern eine große gerahmte Jubiläumsurkunde, gemeinsam mit Stefan Straub und Reiner Embach, den Verantwortlichen der IG Lorscher Kulturfeste.


Bunte Katzen und Vögel wiegten sich im Wind
Lorscher Kunsthandwerkermarkt litt unter dem sommerlichen Wetter

Profis und Hobbykünstler hatten beim Lorscher Kunsthandwerkermarkt zum Johannisfest auf der Wiese vor dem Festplatz ihre Buden und Stände in langen Reihen aufgestellt und ihre Produkte angeboten. Leider reizte das sommerlich heiße Wetter die Besucher des Festplatzes nicht gerade zum Kauf von Kunstgegenständen, auch wenn sich die Händlerinnen und Händler bemühten, ihre Waren anzupreisen. So richtig zufrieden waren nach zwei Tagen nur wenige Aussteller. „Das ist ja alles ganz schön aber was sollen wir mit all diesem Kram“, war von den Betrachtern zu hören. Bei der „Marmeladenhexe“ wurde süße Marmelade gekocht, zum Probieren angeboten und auch verkauft. Zwei Hutmacherinnen fertigten an ihrem Stand neue Modelle, Taschen aus hochwertigen Gobelinstoffen wurden zu Sonderpreisen angeboten und auch selbst genähte Puppenkleider gab es zu Bild vom KunsthandwerkermarktSchnäppchenpreisen. Zur Verschönerung des eigenen Heimes wurden Mobiles, Katzen und Vögel aus Tiffanyglas feilgeboten. Es gab Aquarelle, Kunstpostkarten und Kunstblumen. Bunte Kissenbezüge und Seidenschals lockten ebenfalls die Besucher an. Allerlei Produkte aus geprägtem Leder, unter anderem Geldbeutel und Taschen, lagen verführerisch auf den Tischen. Für das körperliche Wohlbefinden sorgten wohlriechende Seifen, zum Beispiel aus Schafsmilch, Parfüms und Raumdufthölzer. Auch Dinkel- und Kirschkernkissen suchten Käufer. Schmuckproduzenten fertigten ausgefallene Ringe und Ketten aus Silberschmuck. Farbiger Modeschmuck glänzte in den Auslagen. Schmuck aus Muranoglasperlen, aus Halbedelsteinen und Austernschmuck ergänzte das reichhaltige Angebot. Was recht gut beim Publikum ankam waren bunte Keramikfiguren, auch als Fackeln für Haus und Garten. Der Renner, und hier wurden gute Geschäfte gemacht, war aber der Stand mit bunten Mobiles und beweglichen Figuren aus Metall, meist gedacht für Garten und Balkon. Da wiegten sich exotische Vögel und Käfer im Wind, da wippten Kugelfische von der Decke, Insekten und Ameisen „krabbelten“ herum und auch Hühner und Katzen, um nur einen Teil des Angebotes zu nennen, fanden ihre Liebhaber. Das Angebot war reichhaltig, das Interesse groß, die Kauflust aber eher weniger.

Publikum wippte mit den Füßen im Takt
Original Blütenwegjazzer begeisterten beim Lorscher Johannisfest

Die Sonne strahlte zur Mittagszeit heiß vom Himmel, als die Original Blütenwegjazzer aus Bensheim auf der Festwiese des Lorscher Johannisfestes ihre Instrumente aufbauten. Sie nutzten dabei den Schatten eines großen Baumes ebenso wie das die zahlreichen Zuhörer machten, die vor und hinter der Band saßen, zu den bekannten Dixielandmelodien mit den Füßen wippten und mit viel Applaus den Musikern Beifall zollten. Ob die Klassiker wie „Down by the riverside“, Buena sera“, „Ice Cream“ oder der Oldie „Marina“ von Rocco Granata, sie alle kamen ebenso gut an wie „Sentimental Journey“, „Bei mir biste scheen“ oder auch „O when the saints“. Das war nur eine kleine Auswahl der Stücke, die die Band im Original oder leicht verjazzt dem Publikum Bild von den Böütenweg-Jazzernanbot. Hin und wieder eingestreute Soli, insbesondere die von Schlagzeuger Dr. Hans-Dieter „Dago“ Vötter“ wurden mit besonderem Applaus bedacht. Bandleader Prof. Dr. Bruno Weis gab immer wieder kurze Erläuterungen, nicht nur zu den Musiktiteln, sondern auch zur Band. Immerhin bestehen die Original Blütenwegjazzer schon 31 Jahre. So nimmt es auch nicht wunder, dass sie nicht mehr die Jüngsten sind. Prof. Dr. Weis feiert in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag und er ist nicht das älteste Bandmitglied. Bekannt sind die Amateur-Jazzer nicht nur überall in Deutschland, wo sie im Schnitt 60 Mal pro Jahr spielen. Sie haben schon Auslandstourneen hinter sich, zum Beispiel in Südafrika, haben in New Orleans gespielt, wo sie zu Ehrenbürgern ernannt wurden und wo sie ihr Publikum auf einem Schaufelraddampfer in Schwung brachten, unplagged und ohne elektrische Verstärkung. Sie sind in Rundfunk und Fernsehen aufgetreten, haben auf vielen Jazz-Festivals gespielt, auf Weinfesten und privaten Events und tragen nicht umsonst den Ehrentitel „Botschafter der Bergstraße“. Sie haben CDs bespielt, auch mit dem bekannten Stargeiger Schnuckenack Reinhardt und mit Peter Petrell. Auf dem Heimflug von einer Konzertreise durch Litauen haben sie sogar aus dem Stand im Flieger einem jungen Paar auf Hochzeitsreise ein Ständchen gespielt. Das alles zeigt, wie beliebt die Bensheimer Musiker sind und dass ihre Spielfreude den Erfolg jeder Veranstaltung garantiert. Das war auch in Lorsch nicht anders. Im Juli treten die Blütenwegjazzer noch in Bensheim (4.), beim bachgassenfest in Auerbach (9.) und in Schönmattenwag (11.) beim 3. Odenwälder Jazzfest mit Peter Petrell auf.








 
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