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Informationen zur Bürgerversammlung vom 18.01.2010

Diskussion über die Investition ums Kloster
"Müssen mit dem Welterbe mehr wuchern"

Seit fast 20 Jahren ist Lorsch Welterbe-Stadt. Nun wird das Kloster-Areal im großen Stil aufgewertet. Millionenschwer ist das Bild von Direktor Karl WeberInvestitionsprogramm, mit dem es gelingen soll, mehr Touristen anzuziehen und sie zudem so zu begeistern, dass sie ihre Verweildauer verlängern. Was mit den jeweils über vier Millionen Euro von Bund und Land sowie den 2,7 Millionen Euro, die Lorsch selbst zuschießen muss, passiert, darüber wurde am Montag im Rahmen einer sehr gut besuchten Bürgerversammlung informiert.

Die insgesamt 11,5 Millionen Euro werden bestens angelegt, zeigte sich Karl Weber, Direktor der Staatlichen Schlösserverwaltung, überzeugt. Mit einer "Kulturachse" werde endlich eine Verbindung zum Kloster Altenmünster geschaffen, mit der Umgestaltung der Zehntscheune in ein Schau-Depot könne ein Teil der umfangreichen Ausgrabungsfunde präsentiert werden, mit der teilweisen Freilegung der Klostermauer und der möglichen Öffnung des Osttores werde die bedeutende Vergangenheit des Ortes erlebbarer.

"Das Kloster erklärt sich nicht von selbst", erinnerte Weber daran, dass Lorsch zwar berühmt ist, die Erwartungshaltung vieler Besucher aber derzeit nicht erfüllen kann. Der Blick auf Torhalle und Klostergarten ist ihnen zu wenig. Auch die vielen Führungen könnten das Interesse nicht gänzlich befriedigen. Der geplante neue "Herrenhof" mit Freilichtmuseum außerhalb des Klostergeländes soll künftig die erwünschte "Zusatz-Attraktion" bieten.

Tourismus harter Standortfaktor

Bild von Herrn KnatzDass das Lorscher Welterbe viele Touristen enttäusche, wollte nicht jeder der Zuhörer glauben. Einer von ihnen, Dr. Christian Knatz, vermisste eine "empirische Untersuchung" dazu. Er erinnerte daran, dass es sich bei den Zuschüssen immerhin um Steuergelder handelt, warnte vor hohen Folgekosten und regte an, das Land solle "zunächst einmal seine Hausaufgaben machen": Die fehlende Beschilderung mit Info-Tafeln sowie die stellenweise ungepflegte Landschaft im Klostergarten kritisierte er.

Auch Bürgermeister Klaus Jäger aber konnte wie Karl Weber und Stadtverordnetenvorsteher Christian Schönung von "Briefen enttäuschter Lorsch-Gäste" berichten. In direkter Umgebung des Unesco-Welterbes dürfe nicht nach Gutdünken neu gestaltet werden, erinnerten sie an die strengen Richtlinien der Welterbe-Hüter, an denen schon mancher Verbesserungswunsch scheiterte. Mit dem "Karolingischen Herrenhof"- Weber beschrieb ihn als "archäologisches Laboratorium" - soll es nun bald das ersehnte "Experimentierfeld" abseits der "Pufferzone" geben. Der ursprüngliche Kloster-Bereich werde, seiner Bedeutung angemessen, "ruhiger".

Aber nicht nur die Touristen, auch die Lorscher sollen vom Welterbe profitieren. "Sie sollen etwas haben von Ihrem Kloster", versprach Weber. Die Investition werde sich auszahlen, wenn die Zahl zufriedener Gäste, wie erwartet, steigt. Mehr Besucher werden gern auch mehr einkaufen in Lorsch und in die Gaststätten einkehren.

"Kultur und Tourismus haben sich vom weichen zum harten Standort-Faktor entwickelt", stimmte Klaus Jäger zu, dass Lorsch mit seinem einzigartigen Welterbe stärker "wuchern" sollte. Das Investitionsprogramm biete die Chance, mit vergleichsweise günstiger Eigenbeteiligung viel zu erreichen, so Weber.



Schlösserverwaltung: Änderungen beim Management geplant
Sport am Kloster soll bleiben

Engagierte Lorscher äußerten bei der Bürgerversammlung mehrere Ideen, wie sich das Welterbe attraktiver präsentieren könnte. Den Wohnwagen-Stellplatz vor der Klostermauer sowie die lauten Radsport-Events hielt eine Lorscherin für verzichtbar. Bei Gäste-Führungen rund um die Torhalle verstehe man manchmal sein eigenes Wort nicht mehr, kritisierte sie.

Für die Camper werde ein alternativer Platz geprüft, antwortete Bürgermeister Klaus Jäger. Von den Sportevents wolle die Stadt aber nicht lassen. "Viele freuen sich darüber", so der Verwaltungschef. Man werde sich jedoch bemühen, Terminüberschneidungen mit dem in Lorsch erfundenen Welterbetag im Juni künftig zu vermeiden, stimmte er zu.

Ernst-Ludwig Drayß, Vorsitzender des Kuratoriums Welterbe Lorsch, mahnte die seiner Ansicht nach nötigen strukturellen Verbesserungen an. Ein einheitliches Management statt komplizierter unterschiedlicher Zuständigkeiten zwischen Stadt und Land, forderte der Vorsitzende des Fördervereins.

"Es wird eine Neufassung der Strukturen erfolgen", erklärte daraufhin Karl Weber, Direktor der Schlösserverwaltung. Die finanziellen Lasten sollten gerecht verteilt werden, versprach Weber Zweiflern, die daran erinnerten, dass bislang nicht einmal genügend Geld für Gärtnerarbeiten zur Verfügung gestellt worden sei.
Kein "Disneyland" geplant

Entschieden trat Weber auch Befürchtungen entgegen, mit dem Bau des Herrenhofs samt Freilichtmuseum werde eine Art "Disneyland" entstehen. Dass im Klostergelände zunächst kein blühender Ziergarten gewollt, ein Trockenrasen mit entsprechender Vegetation bewusst gewählt wurde, erklärte Bürgermeister Jäger.

Weil das Welterbe-Investitionsprogramm Lorsch noch lange beschäftigen wird, ist schon ein weiterer Info-Abend geplant, bei dem die vielen neuen Projekte ausführlich vorgestellt werden und über sie diskutiert werden kann. Termin ist am 8. März (ein Montag) um 19 Uhr im Paul-Schnitzer-Saal.

Bild von der Bürgerversammlung




























Anregungen: Beschilderung könnte verbessert werden
Wo geht es zur Torhalle?

Lorsch. Für Auswärtige sei das Lorscher Welterbe manchmal schwer zu finden, berichtete ein Neu-Lorscher bei der Bürgerversammlung am Montag von eigenen negativen Erfahrungen. Die Hinweisschilder seien nicht einheitlich, beklagte er ein unnötiges Hindernis für interessierte Touristen.

Navi führt zum Rathaus
Karl Weber, Direktor der Schlösserverwaltung, versprach, dass das Problem erkannt sei und bearbeitet werde - und sprach von sich aus noch ein weiteres an. Manches Navigationsgerät lenke Autofahrer auf der Suche nach dem Kloster mit der Aussage "Sie haben Ihr Ziel erreicht" direkt vor das Alte Rathaus.

"Dort werden Sie aber Ihr Auto nicht los", weiß Weber, dass Parkplätze dort eher Mangelware sind und daher Nachbesserungen wünschenswert wären. Das Welterbe liegt zwar nur einen Katzensprung entfernt, der Stopp am denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude mag aber manchen Besucher dennoch zuerst irritieren.


Von Mitteln aus dem Konjunkturprogramm werden vor allem Kinder und Jugendliche profitieren / Bürgermeister Jäger: Folgekosten für Stadt erträglich
Aufwertung für Lorsch als Schulstandort

Rund 1,25 Millionen Euro erhält Lorsch von Bund und Land aus dem Konjunkturprogramm. Die Stadtverordneten haben bereits entschieden, dass mit diesem Zuschuss insgesamt vier Projekte in Lorsch realisiert werden sollen. Über die beiden größten - die Schul- und Vereinssporthalle am Wingertsberg sowie die Leichtathletikanlage an der Siemens-Schule - informierte Bauamtsleiter Volker Knaup bei der Bürgerversammlung.

Auf dem Volksbank-Parkplatz wird für Baukosten von 1,75 Millionen Euro eine große Sporthalle plus angegliederter kleiner Gymnastikhalle errichtet. Dank des Neubaus soll für die über 500 Grundschüler endlich keine Sportstunde mehr ausfallen. Bislang nämlich werden die Kinder vor allem in der Nibelungenhalle unterrichtet, die jedoch wegen zahlreicher anderer Veranstaltungen häufig belegt ist.

Kritisch merkte ein Bürger an: Die Schulsport-Finanzierung sei keine kommunale Aufgabe, für die nun knapp eine Million aus dem Konjunkturprogramm genutzt werden, sondern eine des Kreises. Für den Kreis wäre es mit dem Bau nur einer Gymnastikhalle zunächst auch gut gewesen, erklärte Bürgermeister Klaus Jäger.

Die Lorscher selbst aber hätten mit Hinweis auf den Engpass an Trainingsmöglichkeiten auch für Vereine eine größere Lösung angestrebt. Der Kreis als Träger werde 750 000 Euro beisteuern. Abends wird die Trainingshalle Vereinen zur Verfügung stehen.

Bild von der BürgerversammlungAuch die Folgekosten blieben für die Stadt - der Kreis wird Eigentümer der Halle - "erträglich", beruhigten Klaus Jäger und Stadtverordnetenvorsteher Christian Schönung. Das Konjunkturprogramm biete eine günstige Gelegenheit, die Infrastruktur Lorschs zu verbessern.

Ein Vorteil überdies: Die Nibelungenhalle wird bald wie ein Bürgerhaus vornehmlich für kulturelle Veranstaltungen reserviert bleiben können, weil sie für den Schulsport dann endgültig nicht mehr benötigt wird.
Kein Ersatz für Ehlried-Halle

Eine kritische Nachfrage gab es auch zur Sportanlage an der Werner-von-Siemens-Schule. Den Bau einer neuen Leichtathletikanlage dort - vorgesehen sind unter anderem eine neue Weitsprung-Grube, eine Laufbahn sowie ein Kugelstoßplatz - interpretierte ein Bürger als möglichen Abschied von dem Plan, im Ehlried die geplante Dreifeldhalle zu realisieren.

Die Schul-Anlage sei keinesfalls als Ersatz fürs Ehlried gedacht, betonte Jäger. Bei der Sportstätte an der Haupt- und Realschule handele es sich um eine "abgespeckte Leichtathletikanlage". Für Wettkämpfe ist sie nicht ausgelegt.
WC-Anlage wird saniert

Von der Anlage - Baukosten rund 360 000 Euro - erhofft sich Lorsch eine deutliche Aufwertung des Schulstandorts. Rund 60 000 Euro will die Schule aus Eigenmitteln beisteuern. Folgekosten gehen zu Lasten des Schulträgers.

Mit den restlichen Mitteln aus dem Konjunkturprogramm wird die WC-Anlage in der Nibelungenhalle saniert und behindertengerecht ausgebaut. Zudem werden Straßen im Zentrum erneuert.

© Bergsträßer Anzeiger 20. und 21.01.2010
© Bilder: Thomas Neu www.bensheim-bilder.de.de

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