Lorscher Athleten für besondere Leistungen ausgezeichnet / Tanzdarbietungen umrahmten das Programm in der Siemens-Halle
Mehr als 100 Sportler ausgezeichnet
Es waren in erster Linie wieder junge Menschen, die die Stadt Lorsch gestern bei der Sportlerehrung mit Urkunden und Medaillen auszeichnete. Von der Kreis- bis zur Weltmeisterschaft spannte sich dabei der Bogen der sportlichen Aktivitäten.
Dr. Nimz führte durchs ProgrammMit dem Ohrwurm "One Moment in Time" eröffnete der Musikzug unter der Leitung von Werner Held die Veranstaltung in der Siemens-Halle. Über 100 Einzelehrungen hatte die Sportkommission zugelassen - und Petra Wooden vom Kulturamt hatte alles sauber vorbereitet.
Dr. Michael Nimz, lange Jahre Vorsitzender des Tanzsportclubs Rot-Weiß Lorsch, führte durch das Programm. Bürgermeister Klaus Jäger, Magistrat und Sportkommission nahmen die Ehrungen vor.
Ob Schwimmen, Turnen, Fußball, Handball, Judo, Reiten, Tischtennis, Tennis, Kegeln, Leichtathletik, Schießen oder Tanzen - die Palette des sportlichen Angebots in Lorsch ist groß.

In diesem Jahr waren es vor allem die Tänzer, die das Programm bestimmten. Da zeigten die Kleinsten des TSC einen Matrosentanz, die größeren jungen Damen tanzten ein musikalisches Medley und alle zusammen erfreuten das Publikum mit einem Skifahrertanz.
Die Deutschen Meister im Hip-Hop, die Gruppe "Physical Funk" unter der Leitung von Luigi Fasini zeigte ihr Können und das Standard-Tanzpaar Tatiana und Peter Müller gefiel mit einem Kürprogramm. Bürgermeister Klaus Jäger hatte in seiner Rede betont, dass wieder etliche Sportlerinnen und Sportler auf übergeordneter Ebene erfolgreich gewesen seien.
Solche Erfolge ließen sich aber nicht einfach herbeizaubern. Sie seien eine Frage des Talentes und des Trainingsfleißes aber auch der Betreuer und der Vereine, die die eigenen Sportanlagen pflegten und so dem Steuerzahler viel Geld sparten.
Es sei der Stadt eine Ehre, die Leistungen öffentlich zu würdigen. Die erfolgreichen Sportler seien ein positives Beispiel für alle, die sich sportlich betätigen wollten. Die Kinder und Jugendlichen erhielten hier das Rüstzeug, um später im Leben bestehen zu können.
Neue Sporthalle in PlanungWerte wie Toleranz, Einsatzbereitschaft, Teamgeist und Fairplay würden im Spiel vermittelt. Auch der Umgang mit Sieg und Niederlage sei eine wichtige Erfahrung für das spätere Leben. Der Sport habe in Lorsch einen hohen Stellenwert und stelle ein Stück Lebensqualität dar.
Die Sportlerehrung biete aber auch die Möglichkeit, den Vereinen und Betreuern Dank zu sagen für ihr vorbildliches Wirken. Trotz immer knapper werdender Mittel wolle die Stadt versuchen, die finanzielle Unterstützung der Vereine nicht zu kürzen. Zusammen mit dem Kreis Bergstraße werde man an der Wingertsbergschule - finanziert über das Sonderinvestitionsprogramm des Landes - eine neue Turnhalle bauen, wo neben dem Schulsport auch Vereinssport betrieben werden könne.
Zu den besonderen Ehrungen gehörte die Deutsche Meisterschaft in der Altersklasse 70 bis 74 Jahre für den Turner Werner Adrian, die Hessenmeisterschaft von Nadine Müller bei den Judokas und der zweite Platz bei den Deutschen Einzelmeisterschaften der Landesverbände.
Auch mit Handicap sportlich aktivDieter Tings wurde geehrt für den dritten Platz bei der Seniorenweltmeisterschaft der Judokas in der Klasse Ü30. Die querschnittsgelähmte Anne Brießmann war deutsche Vizemeisterin im Diskuswerfen und Kugelstoßen bei den Rollstuhlfahrern.
Otto Rau holte sich den dritten Platz bei den Europameisterschaften der Senioren-Altersklasse 75 als Doppelpartner im Tischtennis. Das Tanzpaar Markus und Stefanie Grebe holte sich zweite und dritte Plätze bei Weltranglistenturnieren und das Profi-Tanzpaar Tatiana und Peter Müller wurden Vierte bei der Weltmeisterschaft Kür Standard.
Bei der WM in Las Vegas dabeiDen ersten Platz bei der Deutschen Meisterschaft und den fünften bei der Weltmeisterschaft in Las Vegas holte sich die Hip-Hop-Gruppe "Physical Funk".
Gute überregionale Erfolge gab es auch für die Mitglieder des Reit- und Fahrvereins, des Tennisclubs Olympia und der Sportkeglervereinigung. Diese überregional erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler wurden auch mit einer besonderen Medaille geehrt.
Anne Brießmann ist Sportlerin des JahresAuch ein körperliches Handicap bedeutet nicht das Ende sportlicher Höchstleistungen
Anne Brießmann, heute 37 Jahre alt, hat schon in jungen Jahren beim Leichtathletikzentrum Bergstraße und später beim TSC Eschollbrücken/Eich Sport getrieben. In Einhausen spielte sie Basketball.
Dann aber riss sie im Jahr 2005 ein Skiunfall aus der Bahn. Seit diesem tragischen Augenblick ist sie querschnittsgelähmt und auf

einen Rollstuhl angewiesen.
Bei der Sportlerehrung in Lorsch beschrieb Bürgermeister Klaus Jäger das Leben einer jungen Frau, die sich aber auch durch diesen Unfall nicht habe unterkriegen lassen.
Motivation durch die Paralympics
Inspiriert durch die Paralympics in Peking habe sie wieder zum Sport gefunden. Sie trainiere beim Leichtathletikclub Olympia Lorsch und starte zurzeit für die Rehabilitationssportgemeinschaft, da diese beim Behindertensportverband gemeldet sei.
Da der LCO im vergangenen Jahr ebenfalls eine Abteilung für Behindertensport gegründet habe, werde sie für den LCO starten, sobald dieser beim Behindertensportverband Hessen gemeldet sei.
Im Jahr 2009 wurde Anne Brießmann in den Nationalkader aufgenommen. Mindestens einmal im Monat fahre sie nach Thüringen, wo sie das Werfen bei Nationaltrainer Olaf Schnabelrauch trainiere. Ihre sportlichen Erfolge im vergangenen Jahr könnten sich sehen lassen, lobte Klaus Jäger. Sie belegte zweite und dritte Plätze bei den Deutschen Meisterschaften in Sindelfingen im Speerwerfen, Kugelstoßen und Diskuswerfen.
In diesen Disziplinen ist sie auch Hessenmeisterin und sie holte sich in Erfurt dreimal den Deutschen Rekord. In ihren drei Disziplinen habe sie beim Sportfest in Berlin drei erste Plätze geholt.
Sieg über erfahrene Athleten
Sie habe dabei die mehrfachen Weltmeisterinnen und Paralympicsgewinnerinnen Marianne Bugenhagen im Diskuswerfen und Martina Villing im Speerwurf besiegt.
Zusätzlich spielt Anne Brießmann Roll-Basketball und wurde mit dem hessischen Team Deutscher Meister. Bürgermeister Jäger wünschte der neuen "Sportlerin des Jahres" im Namen der Stadt Lorsch viel Erfolg bei dem Erreichen ihrer Ziele, der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2011 in Neuseeland und die Paralympics 2012 in London.
Als kleine Anerkennung überreichte er ihr eine Urkunde und einen Pokal.
Mannschaft des Jahres: "Physical Funk" setzt sich durchDeutsche Hip-Hop-Meister
Wild durcheinander hüpfen, springen, den Körper verrenken - und das alles im Takt einer schnellen Musik. Für viele Außenstehende ist genau das Hip-Hop. Doch hinter dem Tanz steckt oft jahrelanges Training und eine überragende Körperbeherrschung.
Das konnten die Zuschauer bei der Sportlerehrung der Stadt Lorsch in der Werner-von-Siemens-Halle begutachten. Da führte nämlich die Hip-Hop-Formation "Physical Funk" eine "wilde Präsentation" vor - das Publikum zeigte sich begeistert.

Dass dahinter viel Arbeit steckt, das machte Bürgermeister Klaus Jäger deutlich, der diese Formation als "Mannschaft des Jahres 2009" auszeichnete. Ilker Kirak und Luigi Fasini seien seit über zwanzig Jahren tänzerisch aktiv. "Im Jahr 2000 haben sie die Gruppe ,Physical Funk' gegründet und sich 2009 dem Tanzsportclub Rot-Weiß Lorsch angeschlossen", erklärte der Bürgermeister. Mit dabei seien noch Anna Bassov, Christine Renschler, Slavko und Zvonko Jovanovic, Muharem Demiri und Markus Heldt.
Die meisten Tänzer seien in Deutschland geboren, hätten aber die deutsche, russische, serbische, italienische, türkische und albanische Staatsbürgerschaft.
2006 bis 2008 sei die Gruppe jeweils deutscher Vizemeister beziehungsweise Deutscher Meister und in Los Angeles Siebter der Weltmeisterschaft im Hip-Hop-Dancing geworden. Im Jahr 2009 hätten sie den Titel eines Deutschen Meisters und den fünften Platz bei den Weltmeisterschaften belegt.
Diese Erfolge seien ausschlaggebend gewesen, das Team zur Mannschaft des Jahres zu wählen, so Klaus Jäger unter dem Beifall des Publikums. "Nicht nur das jüngere Publikum ist von ihren Tanzkünsten begeistert. Auch das ältere Semester erfreut sich an den rhythmischen Bewegungen."
Sonderehrung für Werner AdrianAuszeichnung: Lorscher engagiert sich seit 60 Jahren für die Tvgg / Übungsleiter, Funktionär und auch mit 70 noch bei Wettkämpfen
Werner Adrian ist mit seinen 70 Jahren nicht nur ein erfolgreicher Funktionär, sondern auch noch ein aktiver Turner. Im vergangenen Jahr wurde er Deutscher Meister im Geräteturnen beim Deutschen Turnfest in Frankfurt in der Altersklasse 70 bis

74 Jahre.
"Seit über 60 Jahren gehört er der Turnvereinigung Lorsch an, wo er in verschiedenen Positionen Verantwortung übernommen hat", lobte Bürgermeister Klaus Jäger den Lorscher bei der Sportlerehrung der Stadt in der Werner-von-Siemens-Halle.
So habe Adrian 25 Jahre lang die Turnabteilung geleitet, sei von 1997 bis 2007 Mitglied des Vierervorstands des Hauptvereins gewesen und er sei viele Jahre Übungsleiter für Jungen von acht bis 14 Jahren und für Mädchen von zwölf bis 16 Jahren gewesen.
Ende der 50er Jahre sei er jüngstes Mitglied der Wettkampfmannschaft der Turner gewesen und seit über 30 Jahren beweise er seine Fitness durch den Erwerb des Sportabzeichens. Noch heute nehme er an Wettkämpfen auf Gau-, Hessen- und Bundesebene teil.
Aufgeschlossen sei er auch für die Völkerverständigung, wo er maßgeblich an der Gründung der Freundschaft mit dem französischen Turnverein Jeanne d´Arc aus Le Coteau beteiligt gewesen sei. Noch heute pflege er diese Freundschaft.
Klaus Jäger vergaß auch nicht zu erwähnen, dass Werner Adrian als junger Mann die treibende Kraft gewesen war für den Umbau der alten Turnhalle in der Jahnstraße. In seine Zeit im Vorstand der Tvgg sei auch die Entscheidung gefallen, die Sportstätte ins Ehlried zu verlagern. Er habe die Belange der Turnvereinigung stets gut vertreten. Schließlich sei der Umzug für die Tvgg keine leichte Entscheidung gewesen.
Städtebaulich sei der Umzug für die Stadt ein Erfolg gewesen und die Tvgg habe in vielerlei Hinsicht dadurch einen Aufschwung erlebt. Werner Adrian sei sich für keine Arbeit zu schade und helfe gerne, wo es nötig sei.
Er habe an einer sehr positiven Gestaltung der Vereinsgeschichte mitgewirkt. Aus diesem Grunde wurde er mit einer Sonderehrung bedacht.
© Text: Norbert Weinbach
© Bilder: Norbert Weinbach und Thomas Neu/
www.bensheim-bilder.de