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Kultur und Tourismus

 

Tabakmuseum im Museumszentrum

Als das Tabakmuseum im Museumszentrum Lorsch 1995 eröffnet wurde, geschah das in dem Wissen darum, dass die Zeiten des Tabakanbaus und der Tabakverarbeitung auch in Lorsch zu Ende ging. 2017 folgte dann der Umbau des letzten verbliebenen Tabakschuppens zu einem Museum des Tabakanbaus. Nach einer über 300jährigen Geschichte war das auch eine Hommage an eine Pflanze, wie sie die heutige Stadt entscheidend prägte.

Das Tabakmuseum - eine Initiative des Heimat und Kulturvereins Lorsch

Das Museum zeigt auf zwei Etage und etwa 500qm über 500 Objekte, die sich mit dem Tabakanbau, schwerpunktmäßig jedoch mit der Zigarrenherstellung und mit der Rauchkultur befassen. Die treibende Kraft bei der Entstehung und Gestaltung des Museums war der Heimat- und Kulturverein Lorsch HKV. Sowohl das Tabakmuseum als auch der 2017 als Museum des Tabakanbaus eröffnete Tabakschuppen werden von dem rührigen Verein betreut. Die Stadt finanziert das Museum und stellt die Liegenschaft.

Tabak: Von der Ritual- und Heilpflanze zum Todesboten

Lorsch liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar, wo vor nun fast 450 Jahren erstmals Tabak im heutigen Deutschland angebaut wurde, im südpfälzischen Hatzenbühl. 1573 brachte der dort tätige Pfarrer Anselm Anselmann den Tabak aus Lothringen mit und pflanzte ihn in seinen Pfarrgarten. Die dekorative Staude diente ihm nicht nur zur Erbauung, sondern auch als Heilmittel.

Eher als Letzteres war der Tabak von dem französischen Gesandten Jean Nicot aus Amerika in Europa eingeführt worden. Daher die Bezeichnung „Nikotin“ für den wichtigsten Inhaltsstoff der Pflanze mit dem botanischen Namen „Herba nicotiana“. Dort war der Tabak unverzichtbarer Bestandteil spiritueller indianischer Rituale. Dabei wurde er gekaut, geschnupft, geraucht, gegessen, entsaftet, auf dem Körper verrieben oder als Augentropfen und Körperpackungen verwendet. Erst später wurde der Tabak auch als Genussmittel bekannt, geschätzt und ist schließlich zur heutigen Zeit als todbringende Droge geächtet.

Zur Geschichte des Tabaks in Lorsch

Gut einhundert Jahre nach Pfarrer Anselmanns Erstpflanzung  beginnt die Geschichte des Tabaks im etwa 60 km nördlich davon gelegenen südhessischen Lorsch. Erstmals 1680 nachgewiesen, pflanzte man auf den mageren Sandböden und begünstigt vom milden Bergsträßer Klima die ursprünglich aus Südamerika kommende Pflanze an. Wie vielerorts hatte der Dreißigjährige Krieg auch Lorsch entvölkert und die 800jährige benediktinische Abtei endgültig zerstört. Nicht mehr 100 Menschen lebten noch hier rund um die Ruinen des einstigen Reichklosters Karls des Großen.

Die Geschichte des Tabaks ist für Lorsch eine Erfolgsgeschichte und bis heute das wichtigste Kapitel der Unternehmensgeschichte dieser Stadt, deren wachsender Wohlstand auf Tabak gründet. Das Dorf beherbergte zwischen 1861 und 1983 insgesamt über 50 kleinere und 5 größere Zigarrenfabriken. 1880 wurden in Lorsch über 100 ha Tabak angebaut. Bei 3700 Einwohner bedeutet das, dass nahezu jede Familie Tabak anbaute oder in der Zigarrenindustrie gearbeitet. 1920 zur Hoch-Zeit der Zigarrenindustrie, gab es in Lorsch 200 Tabakbauern, die 50 ha Anbaufläche bearbeiteten. Zwei Drittel der Arbeitsbevölkerung fand in Tabakanbau und –verarbeitung Lohn und Brot.

Angebaut wurde - vor allem nach 1950 - Zigarettentabak. Aber hergestellt wurden stets nur Zigarren. Der Tabak bot schon früh und erstmals Frauen die Möglichkeit, ebenfalls Geld zu verdienen, was teilweise sogar die Löhne der Männer übertraf. Von dem steigenden Familieneinkommen profitierten natürlich ebenfalls Handwerk, Gewerbe und Handel in der Gemeinde. Die Geschichte des Tabaks ist vor allem eine Geschichte des sozialen Wandels.

Doch wie überall in Deutschland erlosch nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl der Tabakanbau als auch die Zigarrenindustrie allmählich. 1983 schloss mit der Zigarrenfabrik Adam Neumann die letzte Zigarrenproduktion ihre Pforten. Mit der Jahrtausendwende gab der letzte Tabakbauer auf. Schon Ende der 1970er Jahren begann man überall in der Stadt leestehende Zigarrenmanufakturen abzureißen um Wohnraum zu schaffen, was viele Zeitzeugnisse unwiederbringlich vernichtete.

Was das Museum nahebringen will

Mit dem Niedergang des Tabaks konnten viele Exponate – weit über die Region hinaus - für das Museum gewonnen werden, vor allem, was Ackergeräte und Fabrikeinrichtungen betrifft.

Neben der eigentlichen Befassung mit Tabak wird sichtbar, welche weiteren Gewerke und Zulieferbetriebe damit zusammenhingen (Stichwort Anzuchtbeete, Handwagen, Trockengestelle, Tabakschneider, Wickeltische, Zigarrenformpressen, Zigarrenkisten, Bauchbinden, Brandstempel, Verpackungsmaschinen etc.).

Das Museum versucht immer wieder in lebensnah gestalteten Szenarien und mit Hilfe historischer Fotografien eine lebendige Vorstellung von der damaligen Arbeit auf dem Feld und in der Fabrik zu geben. Dabei spiegelt sich Verschiedenes wieder: die körperliche Anstrengung, die gesellschaftliche Bedeutung und sozialen Auswirkungen, der Stolz der Unternehmer und der Belegschaften, die Findigkeit technischer Verbesserungen und schließlich das Lebensgefühl, dass der Tabakgenuss vermittelte.

Es geht jedoch auch um die Ursachen des Niedergangs der Tabakkultur und dessen politische, wirtschaftliche und zeitgeistige Ursachen. Natürlich wird dem Thema Rauchen und Gesundheit entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet.

Herausragendes

Auf der sogenannten „Galerie“ sind in zwanzig Vitrinen die unterschiedlichsten Utensilien rund um den Tabakgenuss ausgestellt. Es ist kunsthandwerklich exzellent gefertigtes Zubehör rund um das Schnupfen und Kauen und natürlich im Schwerpunkt um das Rauchen von Tabak. Ebenso gilt der Pflege der Zigarre viel Aufmerksamkeit.

Das Museum hat unter anderem eine beachtenswerte Sammlung von Zigarrenhaltern aus Meerschaum und eine umfangreiche Pfeifensammlung, u.a. die größte rauchbare Pfeife der Welt. Ebenfalls im Guinessbuch der Rekorde wurde die hier vorhandene Sammlung Manthe eingetragen. Sie ist mit 211 000 Bauchbinden und Deckelblättern für Zigarrenkisten die weltgrößte diesbezügliche Sammlung. Schließlich steht Kennerinnen und Kennern auf Anfrage ein Archivraum offen, der über tausend Grafiken, Stiche, Fotografien, Werbeplakate und Zeitungsausschnitte beherbergt, die sich dem Thema widmen.

Das Loscher Tabakmuseum im Museumszentrum am UNESCO Welterbe zeigt eine Pflanze und ihre vielfache und sehr unterschiedliche, ja gegensätzliche  Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte. Es macht das Thema Industriekultur und den Wandel von einer Agrar- zu einer Produktionsgesellschaft in Deutschland lebendig und dessen tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen anhand des Beispiels Lorsch sichtbar. Das Museum stellt Fragen, scheut sich nicht davor, Missstände zu nennen, vermittelt aber auch die Errungenschaften, die mentalitätsprägende Bedeutung und die enorme Wirtschaftskraft, die der Tabak – exemplarisch in Lorsch – mit sich brachte.

 
 
 

Museum des Tabakanbaus im historischen Tabakschuppen

2017 wurde der letzte verbliebene Tabakschuppen auf Lorscher Gemarkung als Museum des Tabakanbaus eröffnet und ergänzt damit inhaltlich die Präsentation des Tabakmuseums in er Stadtmitte. Das hölzerne Gebäude ist denkmalgeschützt und liegt etwa zehn Gehminuten östlich davon, nahe des Flüsschens Weschnitz, im Areal des UNESCO Weltkulturerbes.

Einen authentischeren Ort wie den 50 m langen, 8 m breiten und 13 Meter hohen Holzbau könnte man dazu wohl nicht finden. In unmittelbarer Nähe zu einem (seit 2013) wieder bebauten Tabakacker finden sich hier – direkt im Sandboden - die Gerätschaften und Hilfsmittel, die die Tabakpflanzer benötigten. 16 Ausstellungseinheiten auf zwei Etagen widmen sich dem Wachstum und der Pflege der Tabakpflanze vom Ausbringen des gequollenen Samens bis zur Fermentierung der getrockneten Blätter.

Auch hier wird sichtbar, dass die Tabakbauern und Tabakpflanzer stets versuchte war, die Bedingungen sowie ihre Werkzeuge und Maschinen zu optimieren. Die ältesten Objekte der Sammlung sind von 1880, die jüngsten von 2006. Im ersten Stock wurde vom Lorscher Tabakprojekt Tabak zu Trocknen aufgehängt, sodass Gäste im Idealfall die grüne oder gar blühende, bis zu drei Meter hohe Pflanze auf dem Acker und die im Jahr zuvor eingebrachte Ernte im Schuppen besichtigen können. Die unversehrte Konstruktion des Ständerbaus, dessen Außenhaut aus beweglichen Brettern (sogenannte Lamellen) besteht, zeigt auch die ausgeklügelte, per Hand steuerbare Bauweise, die der optimalen Trocknung der Blätter dient.

Neben den landwirtschaftlichen Gerätschaften befinden sich viele Fotos und multimediale Stationen in dem Schuppen. Bild- und Tondokumente, darunter etliche kurze Filmsequenzen, machen zusätzlich das landwirtschaftliche Leben und seinen Wandel rund um den Tabakanbau deutlich.

Aus Witterungsgründen ist der Tabakschuppen nur von Ostern/Mitte März bis Ende Oktober geöffnet. Das Museum ist nur mit Führungen zugänglich.

Tabakmuseum im Museumszentrum

Nibelungenstraße 35, 64653 Lorsch
Fon 0 62 51.10 38 20

DI – SO 10 – 17 Uhr

Regulär 3 € | 2 € (ermäßig) | Familienkarte (2 Erw. bis 4 Kinder) 7 € | Gruppen ab 20 Personen 2 € p.P.

Führungen möglich (Info & Anmeldung unter 0 62 51.17 52 60 oder unter www.nibelungenland.net)


Museum des Tabakanbaus im historischen Tabakschuppen

Im Klosterfeld 13, 64653 Lorsch

Geöffnet von  Mitte März bis Ende Oktober. Zugänglich nur mit Führung.

Regulär 7 € | 5 € (ermäßigt) | Familienkarte (2 Erw. bis 4 Kinder) 16,50 € | Gruppen ab 20 Personen 6 €

Info & Anmeldung unter 0 62 51.17 52 60 oder unter www.nibelungenland.net