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Schönheit und Morbidität

Fünf künstlerische Positionen rund um die Pfingstrose

Als am Vorabend der Päonientage in Lorsch die nächste große Ausstellung zum Thema Pfingstrose im Lorscher Museumszentrum eröffnet wurde, war eines klar: Das Thema inspiriert nicht nur Gärtnerinnen und Blumenfreunde, sondern eben auch Künstlerinnen und Künstler. In diesem Falle Stefanie Denz, den Bildhauer Lilau, Ursula Schlosser, Beate Schnabel und Susanne Zimmer. Die Ausstellung trägt den Titel „Päonie Vergängliche Schönheit – mystische Kraft“.

„Ich bin eigentlich keine Blumenmalerin“, sagt Susanne Zimmer wohl stellver-tretend für die ganze Gruppe, die sich trotzdem und in vielfältiger Weise dieser Prachtstaude, ihrer beeindruckenden Erscheinung und ihren vielfältigen Be-deutungen widmete. Dabei nahmen die Fünf auch immer wieder direkten Bezug zu Lorsch. Viele der portraitierten Blüten beispielweise gehen auf Skizzen und Fotos aus dem Lorscher Pfingstrosengarten zurück. Doch auch der Grundriss der Klosterkirche oder gar eine Aufnahme aus der Auerochsenausstellung 2018 wurden verwendet.

Immer wieder nehmen die Arbeiten die beiden auffälligsten Eigenschaften der Pfingstrose auf: deren unvergleichliche Pracht und Üppigkeit und ebenso die rasche Vergänglichkeit dieser Blüten, die als die größten gelten, die wir in Europa kennen. Die Malerinnen zeigen sich fasziniert von diesem geradezu klas-sischen Vanitas-Motiv und portraitieren auch immer wieder die entblätterten Blumen in ihrer bizarren, ja manchmal monströsen Nacktheit und Morbidität. Dabei geht beispielsweise Susanne Zimmer in ihren großformatigen Acrylbildern fast schmerzhaft nah an ihr Motiv, sodass ein Moment großer Intimität entsteht.

Ursula Schlosser nähert sich der Päonie über deren Zuschreibungen und mys-tische Bedeutung. Vor allem der Beiname der braven oder Madonnenrose (Rose ohne Dornen) weckt ihren künstlerischen Widerspruchsgeist als allzu klischee-hafte Ideen vermeintlich weiblicher Tugenden. Ihre „Madonna“ gleicht viel eher der unsterbliche Sex-Ikone Anita Ekberg und was sie erleidet ist eben den klischeehaften Zuschreibungen ihrer Umwelt geschuldet. Ihre großen Wachs-fahnen hat Schlosser extra für den Lorscher Ausstellungsraum angefertigt. Hier spielt sie selbst mit dem typischen Bild der Blume, nämlich ihrer überbordenden Pracht und Fülle, die sie verschwenderisch über die wächsernen Bahnen fließen lässt.

Strukturen und deren Beziehungen zueinander beschäftigen die Kanadierin Stefanie Denz, die die Gefügtheit von Gebäuden der  botanischen Systematik einer sich entfaltenden Blüte gegenüber setzt. Beide schützen, verbergen und umschließen ihr Inneres, was sie schlussendlich gleichzeitig wie in einem Rahmen präsentieren und gleichzeitig umschließen.

Beate Schnabel konterkariert die sich in Pastell verströmende Blüte mit grazilen Grafiken aus der Welt der künstlichen Intelligenz. Diese beiden Ebenen legen sich sprichwörtlich übereinander und erreichen so eine Doppelbödigkeit im Wortsinne. Sie verschränken sich zu einer dreidimensionalen Wirkung und ver-blüffen mit der unerwarteten Ästhetik dieser Begegnung.

Der Bildhauer Lilau schließlich hat sich ganz amorphen Formen verschrieben, die er leise variierend aneinander, ja mehr übereinander türmt. Seine hölzernen und steinernen Stelen gleichen dabei eher Auswaschungen, leeren Waben oder gebleichten Wirbelkörpern, denn von Menschenhand perforierten Skulpturen. Die Strukturen hat er dabei teilweise der Zellstruktur der Päonie entlehnt.

Die Ausstellung, benachbart dem Lorscher Pfingstrosengarten gelegen, ist noch bis zum 30. Juni zu sehen (Eintritt 3 € für das gesamte Museumszentrum).

Die Ausstellung „Päonie. Vergängliche Schönheit – mystische Kraft“ vom 17. Mai bis zum 30. Juni 2019 im Museumszentrum Lorsch, Nibelungenstraße 35;
Di – SO 10 – 17 Uhr,
Eintritt 3 €
.

Es stellen aus:
Stefanie Denz, Lilau, Ursula Schlosser, Beate Schnabel, Susanne Zimmer.

Am Freitag, 24. Mai, findet um 19 Uhr ein Vortrag in der Ausstellung statt. Es spricht Prof. Cassian Schmitt, Leiter der Schau- und Sichtungs-gartens Hermannshof Wein-heim über Pfingstrosen.