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Zwischen Grabungsfund und CAD-Zeichnung

Zwei Klassen der Fachoberschule der Bensheimer Heinrich Metzendorf Schule, Fachrichtung Bautechnik, erkundeten im Schuljahr 2017/18 historisches Terrain. Im Rahmen des fachtheoretischen Unterrichts beschäftigten sie sich mit dem sogenannten „Herrenhaus“, einem mittelalterlichen Holzpfostenhaus, das im Experimentalarchäologischen Freilichtlabor Lauresham steht. „Baugeschichtliche Dokumentation“ von Bauwerken aus verschiedenen Epochen, deren zeichnerische Darstellung und Analyse im Hinblick auf Funktion, Konstruktion und Gestaltung, ist Bestandteil der Hessischen Lehrpläne für die 12. Klassen von Fachschulen mit entsprechendem Schwerpunkt.

Das Herrenhaus ist das zentrale Gebäude in Lauresham, dem idealtypischen 1:1-Modell eines karolingerzeitlichen Herrenhofs. Die Holzkonstruktion des Pfostenhauses wurde 2013/2014 auf Grundlage archäologischer Grabungsbefunde aus Süddeutschland und der Region errichtet. Die Beschäftigung mit dem Gebäude im Unterricht ermöglichte den Schülerinnen und Schülern die baugeschichtliche und bautechnische Auseinandersetzung mit Holzkonstruktionen samt deren zeichnerischer Umsetzung. Darüber hinaus wuchs dadurch auch das Verständnis mittelalterlicher Gesellschaftsstrukturen.

Da keine Bauzeichnungen von dem Holzpfostenhaus mit Flechtwerkwänden vorlagen, mussten die Jugendlichen das Herrenhaus vor Ort aufmessen und aufgrund des Aufmaßes Handskizzen erstellen. Diese dienten wiederum als Grundlage für die AutoCAD-Zeichnungen am Computer in der Schule, zunächst als Grundriss, anschließend als Gesamtansichten des Gebäudes. Mit diesen Maßangaben in drei Ebenen konnten schließlich die aufeinanderfolgenden Bauphasen des Pfostenhauses in virtueller 3-D-Darstellung zeichnerisch dargestellt werden.  Auch die Schülerinnen und Schüler der -Klasse 11, Schwerpunkt Bautechnik, wurden an dem Projekt beteiligt. Sie erstellten ebenfalls Aufmaß-Skizzen. Dabei erlernten sie grundlegende Regeln für das Anfertigen von Zeichnungen und das räumliche Vorstellungsvermögen wurde gefördert.

Die Jugendlichen bauten ebenfalls zwei Modelle des Hauses im Maßstab 1: 40. Das erste Modell zeigt den archäologischen Befund, also das ursprüngliche Grabungsfeld mit Grabungslöchern, in denen man Reste von verbrannten Holzpfosten gefunden hatte. Dies wiederum ließ Rückschlüsse auf die Anordnung und Abstände der mittelalterlichen Holzpfostenkonstruktion zu. Modell 2 zeigt die gesamte Konstruktion des Gebäudes, einschließlich des Dachstuhls und aller Zwischenwände. Die Auflassung der einen Dachhälfte ermöglicht einen Einblick in die Raumaufteilung des Herrenhauses. Grundplatten und Außenwände des Modells bestehen aus Architekturpappe, die Pfosten und Dachsparren sind aus farbig kolorierten Holzstäben gefertigt.

Für das Schuljahr 2018/2019 ist geplant, mit den auszubildenden Zimmerleuten der Heinrich Metzendorf Schule mittelalterliche Holzverbindungen der Pfostenhäuser im Maßstab 1:1 nachzubauen. Dabei sollen die Hölzer nach historischem Vorbild gebeilt werden. Denn die in Lauresham gemachten Erfahrungen, dienen auch dem Zweck, ein möglichst lebendiges Bild von der Handwerkstechnik sowie dem Arbeits- und Alltagsleben der Menschen im Frühmittelalter zu erhalten. Das Projekt trägt damit zur Förderung der kulturellen Bildung an den regional bedeutsamen, außerschulischen Lernorten Lauresham und Kloster Lorsch bei.

(Exemplarisch wurden die Zeichnungen und Modelle des Schülers Johannes Stärk, Klasse 12FO1 ausgestellt).

Weitere Informationen: Tel.: 06251-51446 oder: www.kloster-lorsch.de

Foto: VSG 
Foto: VSG