Ausstellung – „Tempus Enim Prope Est. Endzeitvisionen aus Lorsch und Cambrai“

„Denn die Zeit ist nahe…“ – Apokalypse im Mittelalter. UNESCO Welterbe Kloster Lorsch zeigt bis zum 3. September Kabinettausstellung rund um die berühmte karolingische Handschrift der Apokalypse von Cambrai

Seit jeher zählt die Apokalypse des Johannes zu den geheimnisvollen Büchern der Bibel. Die sprachgewaltigen Visionen vom Ende der Welt inspirierten Künstler durch die Jahrhunderte und haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

Anlässlich der Faksimilierung der berühmten Apokalypse von Cambrai zeigt das UNESCO Welterbe Kloster Lorsch noch bis zum 3. September 2017 im Museumszentrum Lorsch die Kabinettausstellung „Tempus Enim Prope Est – Endzeitvisionen aus Lorsch und Cambrai“.
Nur vier Apokalypse-Handschriften aus karolingischer Zeit haben sich weltweit erhalten.

Die Apokalypse von Cambrai (um ca. 900), benannt nach ihrem möglichen Entstehungsort im Nordosten Frankreichs, ist mit ihren 46 ganzseitigen Miniaturen auf insgesamt 96 Seiten prachtvoll gestaltet und unterscheidet sich von den anderen Apokalypse-Handschriften aus dieser Zeit durch ein deutlich vergrößertes Format. Damit zählt die Apokalypse von Cambrai zu den bedeutendsten Zeugnissen der mittelalterlichen Buchmalerei.

Während das fragile Original verborgen im Tresor der Bibliothèque municipale in Cambrai aufbewahrt und konserviert wird, bietet die druckfrische, kunstvoll von Spezialisten gefertigte Faksimile-Edition (Quaternio Verlag Luzern) die Möglichkeit, die bedeutende Handschrift erstmals im wahrsten Sinne des Wortes zu be-greifen. Die Besucher der Lorscher Ausstellung können nach Belieben darin blättern und die detailreichen Motive der Illustrationen aus allernächster Nähe bestaunen und studieren.

Die vor über 1100 Jahren geschaffene Handschrift führt zurück in die faszinierende Epoche der Karolinger. Die von vier Schreibern sorgfältig mit Feder, Tinte und Farben gestalteten Pergamentseiten sind in der Schriftform der sogenannten karolingischen Minuskel verfasst – eine klare und leicht lesbare Einheitsschrift, die von Karl dem Großen eingeführt wurde, um eine effiziente Verwaltung seines Reiches zu gewährleisten. Der Rückgriff auf spätantike Elemente, wie er für die Kunst der karolingischen renovatio charakteristisch ist, zeigt sich auch in zahlreichen Motiven der Cambrai-Apokalypse: etwa in der Darstellung antiker

Säulen, Kapitelle, Friese und Gewänder, aber auch in der Gestaltung heiliger Figuren, die barfuß wie antike Götter erscheinen. Dabei vermitteln die bunten Bilder, anders als man es bei diesem Thema vermuten könnte, gerade keine düstere Endzeitstimmung, sondern strahlen Hoffnung und Zuversicht aus.

Trierer, Mainzer und Lorscher Apokalypsen
Neben der Faksimile-Edition der Apokalypse von Cambrai werden in der Lorscher Ausstellung auch Ausschnitte anderer illustrierter Apokalypse-Handschriften aus der Karolingerzeit vorgestellt. Hierzu zählen die Trierer Apokalypse (1. Viertel 9. Jh., Trierer Stadtbibliothek) und das sogenannte Mainzer Fragment (Anfang 10. Jh., Stadtbibliothek Mainz), die eng miteinander verwandt sind.

Natürlich zählten Apokalypse-Schriften auch zum einstigen Bestand der bedeutenden Lorscher Klosterbibliothek, die bereits im 9. Jahrhundert über rund 500 Handschriften verfügte und für viele Jahrhunderte eines der bedeutendsten Zentren des Wissens nördlich der Alpen war. Zu den Studienexemplaren der Lorscher Apokalypsen, die aus verschiedenen Jahrhunderten stammen, zählen neben der Geheimen Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch des Neuen Testaments, auch Apokalypse-Kommentare und sogenannte apokryphe Apokalypsen, also Texte, die nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden. Damit gibt die Ausstellung einen spannenden Einblick in die Überlieferungsgeschichte der christlichen Endzeitvorstellung.

„Drei Finger schreiben, zwei Augen sehen, der ganze Körper leidet.“
Dass die Herstellung eines Buches im Mittelalter eine mühselige und anstrengende Aufgabe war, verrät eine Notiz in der Lorscher Thomasapokalypse (heute Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. lat. 220): „Drei Finger schreiben, zwei Augen sehen, der ganze Körper leidet“, vermerkte ein Schreiber aus dem Kloster Lorsch.

Die Nachbildung einer Skriptoriums-Situation in der Ausstellung mit Schreibpult, Tinte, Farben, Schreibutensilien und einem Bücherschrank vermittelt nicht nur eine Vorstellung von der Einrichtung einer klösterlichen Schreibstube, sondern lässt auch erahnen, wie beschwerlich diese Tätigkeit gewesen sein muss, die von den Mönchen als Gottesdienst betrachtet wurde.

Die Kabinettausstellung „Tempus Enim Prope Est – Endzeitvisionen aus Lorsch und Cambrai“ ist noch bis zum 3. September 2017 im Museumszentrum Lorsch zu sehen. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag, 10 – 17 Uhr, an Feiertagen auch montags. Der Eintritt kostet 3 EUR, ermäßigt 2 EUR, Familienkarte 7 EUR, Führungen auf Anfrage (Tel.: + 49 (0)6251-51446 -  info@kloster-lorsch.de).

Weitere Informationen: www.kloster-lorsch.de, www.quaternio.ch

Pressekontakt UNESCO Welterbe Kloster Lorsch

Gabi Dewald,
Kultur- und Tourismusamt, Magistrat der Stadt Lorsch,
+49 (0) 62 51/59 67-501, KULTour@lorsch.de

Silke Günnewig,
Pressebüro UNESCO Welterbe Kloster Lorsch,
+49 (0) 228/184967-24, presse@projekt2508.de

BEGLEITENDE VORTRÄGE

(jeweils 19 Uhr, Museums-zentrum Lorsch)

29. Juni
»Die Apokalypse im Holz-schnitt an Beispielen von Dürer, Cranach und Burg-kmair.«
Tina Kotlewski M.A.

20. Juli
»Apokalyptische Denkfiguren im russischen Symbolismus.«
Prof. Dr. Irina Wutsdorff

3. August
»Hollywoods Umgang mit der Apokalypse: Der Weltunter-gang im Block-busterfilm von den 1970er Jahren bis heute.«
Karina Wiench M.A.